Eine Katastrophe droht – Die Schulnetz-Reform in Thüringen

Bürgerforum der Verwaltungsgemeinschaft Wünschendorf
im Gasthof „Zur Elsterperle“ am 13. September 2018, 19.00 Uhr

Die offene Beratung an besagtem Abend fand unter sehr großer Besucherresonanz in einem bis auf den letzten Stehplatz besetzten Saal statt. Der Grund für das zahlreiche Erscheinen von Bürgern, vorwiegend jungen Eltern, war neben dem Interesse am Thema eine spürbare Wut auf die Politik der Thüringer Landesregierung. Es ging um nichts mehr und nichts weniger als um die Zukunft der Schulkinder ab 2020 in den zur Verwaltungsgemeinschaft gehörenden Ortschaften des ländlichen Raumes.

Zur Diskussion stand der „Gesetzentwurf der Landesregierung für ein Gesetz zur Weiterentwicklung des Schulwesens in Thüringen“.

Neben dem Bürgermeister, der Vorsitzenden des Verwaltungsrates, der Leiterin der Grundschule Wünschendorf, Kita-Leiterinnen und Elternbeiräten waren die Mitglieder des Landtages Herr Tischer (CDU, Sprecher für Bildungsangelegenheiten), Diana Skippe (Linke) und Stefan Möller (AfD) sowie das Mitglied des Bundestages Dr. Robby Schlund (AfD), selbst Wünschendorfer, anwesend.

Die Landrätin des Kreises Greiz, Frau Martina Schweinsburg (CDU) stellte in sehr anschaulicher Art und Weise den Gesetzentwurf vor, und ließ keinen Zweifel daran, was sie von demselben hält. 

Es ist hier nicht die Gelegenheit, den Gesetzentwurf in seinem vollen Umfang darzustellen; wer Näheres wissen möchte, kann sich im Netz unter dem Stichwort THÜRINGENPLAN kundig machen.

In der Diskussion ging es vorwiegend um die Punkte Klassengrößen, Inklusion und Schulweg. Ab 2020 ist den Schulen eine Mindest- und eine Höchst-Klassengröße vorgeschrieben. Werden die Schülerzahlen von 20 bzw. 24 nicht erreicht, werden keine Klassen gebildet, die Schüler müssen in eine andere Schule gehen/fahren. Genauso verhält es sich, wenn eine Schule die vorgeschriebene Gesamt-Schülerzahl nicht erreicht. Dann besteht die Gefahr der Schulschließung, selbst dann, wenn die Schule erst saniert wurde. 

Zweiter Schwerpunkt war die geplante Aufhebung des Förderschulgesetzes, was erhebliche Probleme in Sachen Inklusion mit sich bringen würde.

Auch der Schulweg würde sich bei Umsetzung dieser Planung für viele Kinder enorm verlängern/verkomplizieren.

Bei alldem wird es auch keine Anpassungszeit geben; Thüringen hätte ab 2020 die höchsten Schülerzahlen innerhalb des mitteldeutschen Raumes in seinen Klassen.

Selbst das Zuweisungsrecht für einen Schulplatz läge allein beim Staatlichen Schulamt.

Warum erwägt man überhaupt ein solches Gesetz, noch dazu unter dem anmaßenden Titel „…zur Weiterentwicklung des Schulwesens“? Vordergründig ursächlich sind natürlich die jahrzehntelangen Versäumnisse der Politik bei der Personalplanung von Lehrern, gepaart mit dem unsäglich bürokratischen Verfahren, das ein Referendar durchlaufen muss, um eine Anstellung zu erreichen. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Lehramtsabsolventen gezwungen waren, aus Thüringen abwandern. Jetzt ist man erstaunt ob des Fehlens Tausender von Lehrern und möchte nun aus der Not eine Tugend machen.

Doch das werden sich die Landräte und die Eltern nicht bieten lassen. Frau Schweinsburg kündigte einen Gegenentwurf aus der Sicht der Schulträger an. Die 17 Landräte des Thüringer Landkreistages sind sich, über alle Parteigrenzen hinweg, in diesem Punkt einig.

In der regen Diskussion wurde von vielen Seiten angeprangert, was damit den Kinderseelen angetan wird. Einzelne Kinder werden aus der Gemeinschaft der Gleichaltrigen herausgerissen, haben keine Wurzeln mehr im Heimatort, keine Freunde, kaum noch Freizeit, das Betreiben von Hobbys wird ihnen unmöglich gemacht.

In ehrenamtlicher Arbeit aufgebaute Vereine werden zerfallen, …, kurzum, das Heimatgefühl wird zerstört, damit letztlich der ländliche Raum insgesamt.

Unsozialität, Ungleichbehandlung, Auffüllung von nicht erreichten Klassenstärken mit Einwanderer-Kindern werden zu sozialem Unfrieden, beabsichtigter Spaltung der Gesellschaft und zur Herabsenkung des Gesamtniveaus der Bildung führen.

Unter diesen Voraussetzungen werden künftig die Schüler keine solchen Klassentreffen mehr erleben, bei denen sie sich als Erwachsene nach Jahren treffen und sich einer zufriedenen und glücklichen Kindheit und Schulzeit schwärmend erinnern, wie von Dr. Robby Schlund erst unlängst erlebt. 

Auf all dies wies der Bundestagsabgeordnete in seinem Diskussionsbeitrag hin. Während das Gros der Redner lediglich die Erscheinung kritisierte, entlarvte er das Wesen des Geplanten, indem er betonte, dass der Lehrermangel nur die eine Seite der Medaille sei. Vielmehr verberge sich hinter all dem doch die Absicht zu Schaffung eines globalisierten Einheitsmenschen, der weder Wurzeln noch Flügel und schon gar keine Heimat mehr haben soll.

Vielmehr soll der Mensch künftig als Humankapital für billige Arbeit und als Verfügungsmasse zur Konsumtion dienen.

Doch in puncto Schulgesetz haben die Politiker die Rechnung diesmal ohne die Eltern  und Schulträger gemacht. Massive Gegenwehr wurde durch die Landrätin mit den Worten Martin Luthers „Auf fremdem Arsch ist gut durchs Feuer reiten“ angekündigt. Der Meinung war auch der anwesende Pfarrer der Gemeinden.