Eine bewusste Entscheidung – Die Organspende

Widerspruch ist einfach! Im Vergleich dazu, ist eine bewusste Entscheidung immer, mit allen damit verbundenen Konsequenzen zu treffen. Wissen Sie auch warum? Weil Sie dann, wenn Sie sich für etwas bewusst entscheiden, für alle mögliche Folgefehler, auf keinen Schuldigen zeigen können.

Die bewusste, freie Entscheidung setzt vor allem eins voraus, ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Eine Selbstverantwortung, die nach Abwägung allem Wenn und Aber und allen damit zusammenhängenden Konsequenzen eine Entscheidung herbeiführt. Das ist Freiheit – Entscheidungsfreiheit. Es ist ein Stück selbstverantwortliche demokratische Mitbestimmung unserer Bürger in Deutschland. Seien wir uns doch dessen bewusst und schaffen wir wieder Vertrauen, in das System der Organspende, statt einfach zu hoffen, dass niemand widerspricht. Dazu gehört vor allem, den Menschen in unserem Land zu erklären, wie alles abläuft, und wie sie bewusst eine Entscheidung zur Organspende treffen können.

Der Hirntod ist ein sicheres Zeichen für den Tot eines Patienten, nur dann kann ein Organ entnommen werden. Aber wie sicher ist die Hirntod-Diagnostik in Deutschland? Das Transplantationsgesetz, §5, regelt, dass zwei dafür qualifizierte Ärzte unabhängig voneinander, in 3 Stufen über den Hirntod und dessen Unumkehrbarkeit entscheiden.  Diese Ärzte sind nicht an Entnahme und Übertragung der Organe beteiligt. Danach erfolgt die Spendermeldung an die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Gleichzeitig erfolgen diverse Untersuchungen, deren Ergebnisse an Eurotransplant übermittelt werden.

Erst bei der Entnahmeoperation wird endgültig entschieden, ob ein Organ wirklich zur Transplantation geeignet ist. Soweit so gut und logisch nachvollziehbar. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung aus 2014  werden in deutschen Krankenhäusern manchmal Menschen fälschlicherweise für Hirntot erklärt. Die Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes erfordern hohen Sachverstand, die Ärzte werden zum Teil unzureichend dafür ausgebildet, ist der Vorwurf!

So  z.B. bei einem Kleinkind. Organe wurden entnommen, ohne dass der Hirntod korrekt diagnostiziert wurde und es sind 8 weitere Fälle der vergangenen Jahre bekannt. In zwei großen Städten in Deutschland wurden bei Herztransplantationen 23 von 46 Patientenfällen offenbar manipuliert. Die Liste ließe sich durch weitere Skandale erweitern, wo die finanziellen Aspekte des Transplantationsgeschäfts eine große Rolle spielen.

Genau deshalb haben die Menschen eine unzureichende Bereitschaft zur Organspende. Aber damit werden Sie mit einer Widerspruchslösung eben kein Vertrauen per Gesetz erzwingen können. Das hohe Gut des Selbstbestimmungsrechtes des Menschen muss erhalten bleiben. Gestalten Sie die Verfahrensweise professioneller, dann erhalten Sie auch das Vertrauen der Menschen in die Organspende wieder zurück.

Laut „Statista“ haben derzeit nur 33% der Menschen Vertrauen in unser Gesundheitssystem. Fangen Sie doch erstmal an, ein vernünftiges Entscheidungsregister einzuführen, das lange überfällige Dialyse-Register ins Leben zu rufen und mit dem Transplantationsregister zu verknüpfen. So wird ein Schuh draus. Schnüren Sie ein Maßnahmenpaket, dass die hirntodfeststellenden Ärzte besser befähigt! Motivieren Sie freiwillige Organspender, mit Extrabonuspunkten auf der Priorisierungsliste. Darüberhinaus wäre es denkbar, dass Spender einen weiteren Bonus ihren engsten Angehörigen vererben.

Ich persönlich wünsche mir, dass dieser hohe Standard der bewussten Entscheidung in Deutschland erhalten bleibt, denn die Organspende ist eine nun mal eine Spende. Spenden sind immer freiwillig, die ich mit vollem sozialen Bewusstsein gemeinnützig zur Verfügung stelle.

Ihr
Dr. Robby Schlund