Lernen von den Nachbarn – Delegationsreise nach Norwegen #Tag3

Am letzen Tag der Delegationsreise besuchten wir die Zweigstelle des Center für Würde im Alter in Oslo.

Das Center für Würde im Alter ist ein nationales Kompetenzzentrum, das schwache, pflegebedürfige ältere Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet und betreut. Es bietet Sekundarausbildung, Kompetenzaufbau und Konferenzen über die Gesundheit, die Würde und das ehrenamtliche Engagement für die Seniorenbetreuung.

Die Zielgruppen sind das Pflegepersonal in der Seniorenbetreuung, ältere Menschen, Freiwillige und Betreuer sowie der Ausbildungsbereich und die Entscheidungsträger des öffentlichen und privaten Sektors.

Die Zentrale des Würdezentrums befindet sich im Pflegeheim des Rotens Kreuzes in Bergen und hat eine Zweigstelle in Oslo. Das Zentrum wurde 2008 gegründet und hat 16 Angestellte. Finanziert wird es direkt durch den Jahreshaushalt der norwegischen Regierung. Das Zentrum wird darüber hinaus vom „Fagforbundet“– der norwegischen Gewerkschaft der Angestellten von Gebietskörperschaften – finanziell unterstützt.

Der Kurs über die Sterbebegleitung und die Würde im hohen Alter fokussiert sich insbesondere auf Demenz und Palliativmedizin. Dr. med. Stein Husebø, ein Kenner des deutschen und norwegischen Gesundheitssystems, veröffentlichte hierzu ein Buch mit dem Titel “Die letzten Tage und Stunden – Palliative Care für Sterbende und Schwerkranke”. Er erklärt, dass die demographische Zielgruppe die der mit Senioren arbeitenden Gesundheitsdienstleister ist. Bereits 400 Interessierten aus ganz Norwegen haben bereits an diesen Kurs teilgenommen.

Dr. Husebø betonte das Bestreben der Stärkung der Kompetenzen für Pflegekräfte zu semiärztlichen Behandlungen von pflegebedürftigen Menschen in Seniorenheimen. Statt einer “ärztlichen Wiederbelebungskultur”, in der ein friedliches Sterben nicht möglich ist, befürwortet er die Finanzierung und Förderung einer “Abschiedskultur”. Krankenhausaufenthalte sind für alle Menschen schlecht und der Tod solle im Kreise der Familie erfolgen und als Teil des Lebenszyklus wahrgenommen werden. 

Die Hausapotheke in Pflegeeinrichtungen sollte auch mit Palliativmedikamenten bestückt sein, was eine entsprechende Kompetenz der Pflegekräfte bedingt.  Dr. Husebø führt aus,, dass, wie in der DDR, in Norwegen ein Standard von 150 verschiedene Medikamente vollkommen genügt. In Deutschland hingegen gibt es 40.000 verschiedene Medikamente.

 

Beate Magerholm gab einen Überblick über das System der Koordinierung des Ehrenamtes in der Fürsorge. So gibt es einen Gesamtkoordinator, eine Schlüsselperson die zwischen anderen Ehrenamtlern und Berufspflegern sowie Kankenschwestern vermittelt und Ansprechpartner für Patienten ist.

Das Verständnis und die Bereitschaft zum Eintritt in das Ehrenamt wird in Norwegen schon früh in Kindergärten, Schulen, Sport-, Musik- und Kunstvereinen gefördert. So können sich alle Ehrenamtler kennenlernen und Erfahrungen und Probleme austauschen, was der Motivation fördert.

 

Lernen von den Nachbarn – Delegationsreise nach Norwegen #Tag 2

Am zweiten Tag unserer Delegationsreise besuchten wir den Krankenpflegeverband und erfuhren im Gespräch mit der Verbandsvorsitzende Eli Gunhild By Inhalte zur norwegischen Pflegeausbildung sowie Krankenhausfinanzierung.

Der norwegische Krankenpflegeverband ist Norwegens viertgrößte Arbeitnehnerorganisation und die einzige bundesweite Gewerkschaftsorganisation für zugelassene Krankenschwestern , Spezialkrankenschwestern, Hebammen , Krankenschwestern und Krankenpflegestudenten. Die Organisation wurde am 24. September 1912 von Bergljot Larsson gegründet und hat heute rund 115.000 Mitglieder.

So berichtet der Verband über den Besuch aus Deutschland

Der Verband setzt sich für die Interessen und Rechte der Mitglieder ein, unter anderem in Bezug auf Löhne, Arbeitszeiten, Beschäftigung und Renten. Darüber hinaus sollen Pflegeberufe, die pflegerische Ausbildung und die Pflegefunktion weiter verbessert und optimiert werden. Der Pflegeberuf an sich ist in allen skandinavischen Ländern ein akademischer Beruf und es wird, anders als in Deutschland, nicht zwischen Alten- und Krankenpfleger unterschieden.

Jarle Grumstad (li.) und Eli Gunhild By (re.)

Jarle Grumstad erklärte, wie die Ausbildung der Krankenpfleger organisiert ist und wie sich die Arbeitsaufgaben gestalten.

In Norwegen haben Krankenschwestern deutlich mehr Kompetenzen als in Deutschland. So übernehmen sie in Norwegen auch Aufgaben, welche bei uns nur von einem Arzt durchgeführt werden dürfen. Auch der Personalschlüssel ist deutlich besser verteilt, denn in Norwegen stehen 17,5 Krankenpfleger 1000 Patienten gegenüber, zum Vergleich: in Deutschland sind es 12,9 Pfleger. Auch im Bereich der Ausbildung zur Krankenschwester gibt es Unterschiede, denn in Norwegen sind ein Bachelor-Studiengang sowie weitreichende Fort- und Weiterbildungen vereinheitlicht.

Jan Vegard Pettersen
Anita A. Asbjørnsen

Kirsten Brubakk ergänzte, dass der demographische Wandel auch für das norwegische Gesundheitssystem ein Problem darstellt. So ist die Hälfte aller Krankenpfleger bereits älter als 50 Jahre und rund 12.000 Stellen in der Pflege sind unbesetzt. Hierbei muss man allerdings beachten, dass der Personalschlüssel in Norwegen gut 4 mal so hoch ist, wie vergleichsweise in Deutschland. So kommen in Norwegen auf jedes Patientenbett 2,21 Vollzeitpflegekräfte, während es in Deutschland nur 0,56 sind.

Meist bevorzugen die Patienten und Angehörigen eine ambulante Pflege, welche 20-30 Euro pro Monat kostet, während hingegen eine stationäre Pflege anteilig nach dem jeweiligen Einkommen berechnet wird.

Kirsten Bubakk

Der nächste Ausflug an diesem Tag führte uns zum Ullevål-Universitätsklinikum (Ullevål universitetssykehus, UUS) in Oslo. Mit mehr als 8.400 Angestellten ist es nicht nur das größte Krankenhaus in Norwegen, sondern auch eines der größten in Nordeuropa. Circa 940 Ärzte und 2.400 Krankenschwestern betreuen jährlich ungefähr 45.000 Patienten stationär sowie über 400.000 ambulant. Im Rahmen eines Vortrages zum Gesundheitssystem in Norwegen, erläuterte uns Herr Matthias Baaske das sogenannte “Beveridge”-Modell, ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem, das nach dem Fürsorgemodell die gesamte Bevölkerung in die Absicherung einschließt.

Die Vorteile daraus liegen klar auf der Hand: gesichertes Einkommen der Leistungsträger, kein Lobbyismus und Finanzierung durch Steuern. Aber dem gegenüber steht natürlich die staatliche Regulierung der Leistungen, wobei der Patient als aktiver Partner angesehen wird und im Mittelpunkt der Gesundheitssystems stehen soll.

Matthias Baaske

Nach der Krankenhausreform 2002 wurden die Kliniken in staatliche Trägerschaft überführt, sind jedoch als Unternehmen organisiert und unterliegen nicht länger der staatlichen Verwaltung. Die übergeordneten gesundheitspolitischen Ziele und Rahmenbedingungen werden vom Staat festgelegt, der wiederrum auch den überwiegenden Teil der Krankenhauskosten trägt. In Norwegen machen reine DRGs 40 Prozent der Gesamtfinanzierung aus, während 60 Prozent als festes Budget an die Krankenhäuser fließen.

Der Anteil der Pflegekosten ist in hoher Wichtung in den DRGs verschlüsselt, so dass der Personalschlüssel der Pflege angehoben werden konnte. Die Anzahl der Vollzeitpflegekräfte pro Bett liegt in Norwegen bei 2,21, zum Vergleich in Deutschland bei 0,56. Dem gegenüber stehen 3,6 Betten pro 1000 Patienten in Norwegen, in Deutschland sind es 8,06 Betten. Die Wartezeiten auf eine stationäre Behandlung sind in Norwegen allerdings sehr lang. Aber das Gesundheitssystem steuert diesem Problem erfolgreich mit einer finanziellen Unterstützung für ambulante Pflege entgegen, denn in Norwegen wird eine pflegende Vollzeitkraft durch die Gemeinde bezahlt. In Norwegen erhalten ca. 15 Prozent der Menschen ab 65 Jahren permanente häusliche Unterstützung, bei den über 80-Jährigen sind es mehr als 50 Prozent.
Zusammenfassend können wir feststellen, dass sich das norwegische Gesundheitssystem durch ein gut funktionierendes System von hausarztzentrierter Versorgung und Akut-Ambulanzen sowie durch optimale Arbeitsbedingungen im medizinischen Bereich, welche es erlauben eine sehr gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erreichen, auszeichnet.

Lernen von den Nachbarn – Delegationsreise nach Norwegen #Tag1

Im Rahmen einer Delegationsreise des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages besuchen wir aktuell das skandinavische Norwegen, um uns vor Ort über das dortige Gesundheitssystem zu informieren und uns mit den Kollegen auszutauschen.

Die dreitägige Reise begann am 21.05.2019 mit einem Briefing in Oslo, durchgeführt vom Botschafter Herr Alfred Grannas. Norwegen gilt mit seinen ca. 5,5 Millionen Einwohnern als das am weitesten entwickelte Land der Welt (gemäß Uno-Index HDI). Der Lebensstandard und die Zufriedenheit der Bevölkerung sind hoch. Die UN-Liste der Länder mit der höchsten Lebensqualität wird von Norwegen angeführt, gefolgt von der Schweiz, Deutschland befindet sich auf Platz 5. Botschafter Grannas erklärt, dass Norwegen ein sehr guter Partner für Deutschland ist, da oftmals die selben Ansichten der Dinge bestehen. Das skandinavische Land probiert gern neue Dinge aus und interessiert sich für den Fortschritt der Technologie. Allerdings bestehen einige Defizite im Bereich des Datenschutzes.

Die norwegische Regierung, eine Mehrheitsregierung, bestehend aus einer Koalition von Christdemokraten, Konservativen (Høyre), der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP) und der Liberalen Partei (Venstre),  verfolgt eine ähnliche Strategie wie Deutschland und hat sich als Ziel eine nachhaltige Wohlfahrtsgesellschaft, den Kampf gegen den Klimawandel, Steuersenkungen für kleine und mittlere Unternehmen, Unterstützung der Familien und Stärkung der inneren Sicherheit gesetzt.

Norwegen beabsichtigt mit seiner Deutschlandstrategie die bilateralen Kontakte, vor allem in den Bereichen Energie, Klima und Umwelt, zu intensivieren. Eine Stärkung der Kooperation in Bezug auf Technologie und Innovation sowie der Austausch und die Zusammenarbeit der deutschen und norwegischen Wissenszentren spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Nach dem interessantem Informationsgespräch besuchten wir das norwegische Ministerium für Gesundheit und Pflege. Es begrüßte uns Herr Petter Øgar. Er berichtete über das norwegische Gesundheitssystem, welches als staatliches System durch das Ministerium für Gesundheit und Pflege gestaltet und überwacht wird. Demzufolge erfolgt die Finanzierung zu ca. 85% aus Steuergeldern. Kosten für die primäre Versorgung müssen von den norwegischen Bürgern selbst gezahlt werden. Das betrifft u.a. Hausarztbesuche, ca. 36 % Eigenanteil pro Rezepte sowie die Kostenübernahme für Physiotherapie und Zahnarztbehandlungen.

Die Selbstbeteiligung der Bürger an den Arztkosten beträgt maximal 250 € pro Jahr und insgesamt kann von einer guten Volksgesundheit in Norwegen gesprochen werden. So ist die Lebenserwartung innerhalb der letzten 20 Jahre ständig gestiegen. Frauen werden im Schnitt 83 Jahre alt, bei Männern liegt die Lebenserwartung bei 78 Jahren. Die gestiegene Lebenserwartung ist vor allem auf verbesserte Hygiene, Impfprogramme und besseren Zugang zu Arzneimitteln zurückzuführen. Die hohe Lebensqualität hat allerdings zur Folge, dass die Gesellschaft altert und damit psychische Erkrankungen oder Demenzkrankheiten zunehmen.

Die skandinavischen Länder sind im Gesundheitsbereich immer wieder Positivbeispiele. In Norwegen liegt die sogenannte Arzt-Patienten-Quote im Hausarztbereich bei 1:1100 und jede Person ist aufgrund des vorherrschenden Hausarztsystems bei einem Hausarzt eingetragen. Ca. 90% der Hausärzte arbeiten freiberuflich, benötigen dazu eine Praxiszulassung von der zuständigen Gemeinde und diese wiederum garantiert ein Basisgehalt. Zu diesem kommen monatlich Kopfpauschalen pro Patient, Einzelleistungsvergütungen sowie die Patienteneigenanteile hinzu.

Beim anschließenden Besuch der staatlichen Behörde für E-Health, dem Steuerungsdirektorat, welches Anfang 2016 gegründet wurde, erklärt man uns, wie nationale Lösungen im IT-Bereich durch diese Behörde besser organisiert und verwaltet werden sollen. Über eine E-Health-Plattform wird es Patienten ermöglicht, auf ihre Krankenakte zugreifen zu können und einzuschränken, wer die sensiblen Daten einsehen darf.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Delegation des deutschen Gesundheitsausschusses das norwegische Parlament Stortinget und führte ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, Geir Jørgen Bekkevold. Auch hier steht man einer Zusammenarbeit mit Deutschland sehr positiv gegenüber.

“Auswirkungen von Sanktionen und Dialog in einer multipolaren Welt” – Zweiter Besuch in Russlands größter Universität (MGU)

Gestern besuchte ich die Lomonossow Moscow State University (MGU). Es war mein zweiter Besuch der größten staatlichen Universität Russlands und ich hatte die Ehre, eine Vorlesung vor den besten internationalen Studenten der MGU zu halten.

Hochkonzentriert und mit äußerster Neugier folgten die rund 150 internationalen Studenten im Hörsaal der politologischen Fakultät meinen Ausführungen zu Zusammenhang und Auswirkungen von Sanktionen und Dialog in einer multipolaren Welt.

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Lesen Sie hier von meinen ersten Besuch Russlands größter staatlichen Universität.

So sind vertikale Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft zwischen unseren Ländern der Schlüssel zum Dialog. Regionale Vernetzung, Energiesicherheit und Völkerverständigung spielen eine tragende Rolle in einer multipolaren Welt. Auch die aktuelle Sanktionspolitik auf beiden Seiten, gilt es zu überprüfen, da sie sich negativ auf das Wohl der Bevölkerung der beiden Länder auswirkt. Die Sanktionspolitik führt immer zu Konflikten, Diskrepanzen und verstärken Feindseligkeiten bis hin zum Krieg. Dies wurde an Beispielen des Iraks und aktuell auch am Iran deutlich gemacht. Deshalb sind Sanktionen welcher Art auch immer niemals eine Option.

Das Interesse der Studenten, insbesondere an der AfD, war so enorm, dass die anschließende Fragerunde nicht genügend Zeit bot, um alle Fragen zu beantworten. Ich habe mich verpflichtet, alle noch offenen Fragen an die Experten unsere Fraktion weiterzuleiten und zu beantworten.

Nach der Vorlesung führte ich ein sehr interessantes Gespräch mit dem stellvertretenden Rektor für internationale Beziehungen, Professor Yuri A. Mazei.

Da die Universität mit ihren 41 Fakultäten sehr groß ist, konnte ich bei meinen letzten Besuch nur einen kleinen Teil besichtigen. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, weitere Eindrücke zu sammeln und bekam Zutritt zu mir noch unbekannten Abschnitten, samt atemberaubenden Überblick über Moskau.

Das Kollegium der Lomonossow Moscow State University war sehr zuvorkommend und Herr Anton Kompleev, stellvertretender Dekan für internationale Beziehungen, verabschiedete mich mit einem freundlichen Geschenk. Ich bin zuversichtlich, dass sich unsere Zusammenarbeit intensivieren wird und wir gemeinsame Lösungen für die Anforderungen der Welt von morgen erarbeiten können.

Tula State University – Zusammenarbeit für bessere medizinische Versorgung fördern

Ich besuchte heute das Medizinische Institut der Tula State University in der zentralrussischen Stadt Tula. Die Universität wurde 1930 gegründet und zählt rund 9.900 Studenten aus 50 Ländern.

Ziel meines Besuches war es, Kontakte zu russischen Spezialisten für die gemeinsame Durchführung von Forschungsarbeiten zu knüpfen. Mit Herrn Prof. Dr. Alexander Agubechirovich Khadartsev führte ich diesbezüglich interessante Gespräche.


Beim anschließenden Besuch im Medical Clinical Center, eine Einrichtung, welche sich mit Bildungs- und Forschungsaktivitäten befasst, zeigte mir die stellvertretende Direktorin, Frau Ksenia Yurievna Kitanina, im Rahmen eines Rundgangs die Einrichtung.
Die Studenten des Medizinischen Instituts absolvieren im Medical Clinical Center ihr fünftes und sechstes Studienjahr im Rahmen der klinisch-praktischen Ausbildung. Mir wurden verschiedene medizinischen Geräte und Apparate gezeigt, sogar ein Sehtest wurde mit mir in der Augenklinik durchgeführt.

Anschließend traf ich mich mit dem Dekan der medizinischen Fakultät der TSU, Herr Alexander Agubechirovich Khadartsev und dem stellvertretenden Rektor, Herr Michail Sergeevich Vorotilin. Sie sprachen sich für eine intensivere Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Entwicklung aus und legten hierbei besonderen Wert auf unsere Hochschulen in Thüringen, insbesondere in Ostthüringen. Herr Alexander Agubechirovich Khadartsev schlug vor, gemeinsam die beiden Projekte für die Organisation der primären Gesundheitsversorgung und Erforschung der Mikrozirkulation in Geweben im Zusammenhang zu implementieren.

“Die Probleme der deutschen und russischen Gesundheitsversorgung sind ähnlich, insbesondere im ländlichen Raum, was die zukünftige Versorgung mit Fachärzten betrifft.”, gab ich zu verstehen. Mein Ziel ist es, neue Konzepte zu entwickeln, um unseren Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland effizientere ambulante Versorgungen zu ermöglichen. Die Erfahrungen der russischen Kollegen sind hierbei sehr hilfreich.

Mit meinen Gesprächspartnern einigte ich mich darauf, einen Entwurf für eine Vereinbarung über die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Tula State University zu erarbeiten.

Abschließend hielt ich vor den Studentinnen und Studenten der Tula State University eine Vorlesung zum Thema „Prävention, Adaptive Therapie und funktionelle Medizin – Forschung und Entwicklung der Medizin in einer modernen Gesellschaft“, berichtete über die Komplexität von Biosystemen sowie über Kapillarmikroskopie und informierte im zweiten Teil meiner Vorlesung über Reformmöglichkeiten des deutschen Gesundheitssystems, um es für die Anforderungen der Zukunft fit zu machen. Hierzu stellte ich die Entwürfe des AK Gesundheit der AfD Fraktion vor und überbrachte Grüße unseres AK-Leiters, Herrn Professor Gehrke.

Die Arbeit der AfD Fraktion wird im Ausland sehr positiv beurteilt und mit Interesse beobachtet. Es wurde darauf hingewiesen, die Arbeit noch stärker in Englisch und weiteren Sprachen zu veröffentlichen, um den objektiven Informationsfluss an die jungen Studierenden zu verbessern.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

Gegen Krieg und Faschismus – 74. Tag der Befreiung

Der 9. Mai ist als Tag der Befreiung ein Gedenktag, an dem dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und der Befreiung vom Faschismus 1945 gedacht wird.

Auch in diesem Jahr nahm Dr. Robby Schlund persönlich an den Feierlichkeiten teil und legte einen Kranz am Sowjetischen Ehrenmal nieder. Mit dabei waren auch die Direktkandidaten für die anstehenden Landtags- und Kommunalwahlen in Thüringen,  Sigvald Hahn und Eike Wachowiak aus Dr. Schlunds Wahlkreis.

Dr. Schlund mahnte, dass Faschismus nicht nur aus einer, sondern in der heutigen, multipolaren Welt aus fast allen ideologischen und religiösen Richtungen erwachsen kann.

Gegen Faschismus und für die Freiheit ein Zeichen zu setzen, war auch für Sigvald Hahn und Eike Wachowiak das oberste Gebot dieses Tages. Dr. Schlund betonte das Engagement der AfD Fraktion zur Völkerverständigung, nicht nur auf Bundesebene, sondern auch auf der kommunalen Ebene, denn eins steht fest: Krieg ist niemals eine Lösung!

Impressionen von der Kranzniederlegung

Kommunaler Informationstag der AfD in Greiz

Am 08.05.2019 fand unser kommunaler Informationstag der Alternative für Deutschland in der Stadt Greiz statt. Neben interessanten und vielfältigen Bürgerdialogen stellten sich außerdem einige Kreistags- und Stadtratkandidaten für Greiz vor. Sie erläuterten ihre persönlichen Ziele und Absichten in Bezug auf das kommunale Wahlprogramm des AfD Kreisverbandes Greiz – Altenburger Land. Unter anderem fordern wir ein Stopp der Schulschließungen und setzen uns für kürzere Schulwege durch den Einsatz kleinerer Busse sowie den Erhalt der Förderschulen. Ebenso muss eine Null-Toleranz-Politik zur Drogenproblematik an deutschen Schulhöfen erfolgen. Der Anteil des in Maßnahmen der Drogenprävention investierten Schulgeldes muss erhöht werden.

Im Bereich Wirtschaft und Ökologie fordern wir eine Ausgabendisziplin statt Erhöhung der Kreisumlage, die Einführung eines Flächennutzungsplans sowie unkomplizierte Genehmigungsverfahren für Industrie- und Gewerbeansiedlingen.
Weiterhin müssen Traditionen und Vereine im Landkreis mehr unterstützt und anerkannt werden, zum Beispiel durch einen Rentenzuschuss für Vereinstätigkeit.
Umweltschutz heißt Heimatschutz! Die AfD sagt Nein zu Windkraft und Solarparks sowie Nein zum Südlink.

Außerdem stehen wir für eine Tourismusförderung durch Optimierung des Nahverkehrs, Einführung und Ausweitung so genannter Rufbusse und Partybusse sowie den Ausbau der Radweg in der Region des Landkreis Greizes.

Neben der Vorstellung der Kreistags- und Stadtratkandidaten konnten wir am späten Nachmittag auch unseres Fraktionsvorsitzenden der AfD Landtagsfraktion Herrn Björn Höcke begrüßen. Er sprach über die aktuelle Lage in Thüringen, die zunehmende Islamisierung in unserem Land sowie Zukunftsvisionen und mögliche Folgen der aktuellen Politik. Unsere Heimat gilt es zu schützen! Gemeinsam müssen wir uns dafür einsetzen, gemeinsam mit der Alternative für Deutschland.

Als erster Sprecher unseres AfD Kreisverbandes und Bundestagsabgeordneter sprach auch ich zu den Gästen und erläuterte die Beziehungen Deutschlands zu europäischen und nichteuropäischen Partnerländern. Denn auch das Ansehen unseres Heimatlandes in anderen Ländern ist wichtig für unsere ostthüringer Wirtschaft! Investoren aus Russland, China und Indien haben eine Zusammenarbeit signalisiert und werden unsere Region in Thüringen bereichern.

Zusammenfassend war der kommunale Informationstag der Alternative für Deutschland in der Stadt Greiz eine gelungene Veranstaltung. Wir möchten uns auf diesem Weg bei allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern für ihr Kommen bedanken. Besonderer Dank gilt der zuständigen Polizeiinspektion Greiz sowie dem Ordnungs- und Bauamt Greiz für den störungsfreien und reibungslosen Ablauf unserer Veranstaltung.

Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz

Der Erkenntnisprozess in der Psychologie ist ein fließender und setzt ein hochkomplexes, integratives Verständnis der Funktion, Dynamik und Struktur der Seele voraus. Dieser Erkenntnisprozess ist zusätzlich noch in vergangene, gegenwärtige und visionale Ebenen verwoben.

„Der Psychologe muss Mechaniker sein –  vor, während und nach dem Gespräch.“ Das sagte einmal Walter Fürst. Glauben Sie, dass Sie mit Verkürzung der praktischen Ausbildungen, genau dieser oben erwähnten

  • Komplexizität
  • Integrativität
  • und dem psychotherapeutischen Handwerkszeug

gerecht werden können? Ich glaube das eher nicht. Bleiben wir doch gleich mal bei dem Handwerkzeug, zum Beispiel dem Gespräch. Haben sie sich jemals Gedanken gemacht, wie denn ein Gespräch zwischen zwei Menschen abläuft? Ich werde Ihnen ein kurzes Beispiel erzählen:

Es treffen sich zwei Kinder. Der Vater des einen Kindes ist Pfarrer, das Vater des anderen Kindes ist Tischler. Sie stehen vor einen Tisch und die Sonne scheint. Da sagt das Pfarrerskind; “Die Sonne scheint auf den Tisch”. Des Tischlers Kind sagt; “Der Tisch, auf den die Sonne scheint”.

Wissen Sie, was der Unterschied ist? Der Unterschied ist, dass die Bewertung des Gesprächs völlig unterschiedlich ist. Nun stellen Sie sich vor, wenn solche Differenzen bestehen, wie soll das erst mit unterschiedlichen Sprachniveau geschehen?

Und nun… meine Damen und Herren, wie Sie sehen, ist es gar nicht so einfach, in dieser Mischung, aus nonverbaler Kommunikation und aus verbaler Kommunikation komplexe Krankheitsbilder, wie Psychosen oder Psychische Störungen, zu erkennen.

In einem Ihrer Gesetzentwürfe zum TSVG, Herr Spahn, wurde schon einmal der Vorschlag gemacht, eine „gestufte und gesteuerte Versorgung“ aufgrund der langen Wartezeiten bei Psychotherapeuten einzuführen. Dagegen sprachen sich der Bundesrat sowie ca. 200.000 Unterzeichner einer Petition aus.

Jetzt wird erneut zum Schlag ausgeholt:

Beim „Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz“, inklusive dem Thema „koordinierte und strukturierte Versorgung“ kommen Sie, Herr Spahn, durch die Hintertür.

Nicht nur dass, Sie kommen auch wieder mit Reformen zu Lasten von unseren Patienten. Der Spitzenverband ZNS lehnt den Gesetzentwurf mit den Worten ab: „Es werden mit dem Reformansatz keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen.“

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) verlangt eine „komplette Neuausrichtung des Gesetzesentwurfs“ und auch die Bundesärztekammer spricht von vielen „ungeklärten Fragen“.  Das Ziel, die Attraktivität der Ausbildung zum Psychotherapeuten zu steigern, wird mit dem Gesetzentwurf leider nicht erreicht.

Der eigentliche Grund für die Reform des Ausbildungsgesetzes, ist der Bologna-Prozess, als europaweite Harmonisierung von Studiengängen und Abschlüssen und die damit einhergehende Verschulung und Ökonomisierung der Hochschulausbildung. Es ist die europäische Nivellierung und zwar die, auf dem kleinsten gemeinsamen Niveau. Nicht nur das. Auch der Praxisanteil ist viel zu gering.

Der Bundesrat führt dazu aus: „… im weiteren Gesetzgebungsverfahren sei zu prüfen, wie ein ausreichend großer Praxisanteil in der direkten Versorgung von Patientinnen und Patienten vor der Erteilung einer Approbation gewährleistet werden kann.”

Wir fordern deshalb:

  1. die Erweiterung des Vollzeitstudiums um mind. 1 praktisches Semester
  2. eine schriftliche länderübergreifende einheitliche Prüfung in der auch Facharztkenntnisse überprüft werden.
  3. für nicht deutschsprachige Bewerber eine verpflichtende Sprachprüfung, Sprachniveau C2
  4. als Anwalt der Patienten mehr Patientensicherheit

Vielen Dank.

Politisches Aufeinandertreffen der etwas anderen Art – 1. FC Bundestag gegen 1. FC Gosduma

Sportliche Begrüßung. Pavel Zavalny und Jörn König.

Gestern Abend gab es ein politisches Aufeinandertreffen der etwas anderen Art, nämlich auf sportlicher Eben. Genau gesagt, beim Fußball.

Der 1. FC Bundestag spielte gegen den 1. FC Gosduma. Anpfiff war punkt 18:00 Uhr.

Für das Bundestags-Team trat unter anderem mein Kollege Jörn König von AfD Fraktion an. Russland spielte mit einer gemischten Mannschaft (Männer und Frauen), während der 1. FC Bundestag mit einer reinen Männermannschaft auflief.

Die Mannschaft des 1. FC Gosduma war mit hochkarätigen Persönlichkeiten besetzt. So war neben Alexander Zhukov (stellvertretender Vorsitzender der Duma) auch Pavel Zavalny, mein Counterpart in der deutsch-russischen Parlamentariergruppe mit von der Partie.

Mir wurde die Aufgabe der sportärztlichen Betreuung zuteil und ich kam vier mal zum Einsatz. So versorgte ich über das gesamte Spiel drei deutsche und einen russischen Parlamentarier.

Im sportäztlichen Einsatz.
Für den 1. FC Bundestag - Jörn König

Bei dieser sportlichen Begegnung ging es nicht nur ums Gewinnen, sondern vor allem um das deutsch-russische Verhältnis.

Vor gut einem Jahr war das deutsche Bundestags-Fußball-Team zu Gast in Moskau und verlor gegen die Abgeordneten der russischen Staatsduma mit 3:5. Diesmal sollte es die Revanche im Stadion des SC Siemensstadt in Berlin werden, doch der FC Bundestag verlor erneut, diesmal mit einem knappen 1:2.

Die Niederlage war dabei weniger wichtig, als die Gespräche im Umfeld des Spiels. So setzte ich bereits heute Vormittag mein Gespräch mit Pavel Zavalny fort, um die Zusammenarbeit der Parlamentariergruppe zu vertiefen, ehe ich die russische Delegation im Reichstaggebäude verabschiedete.

 

Herzlichst,
Ihr Dr. Robby Schlund

Fair-Play nicht nur auf dem Rasen. (Dr. Robby Schlund mit Alexander Zhukov)

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag5

Tag 5 meines Indien-Arbeitsbesuches führte mich nach Rishikesh am heiligen Fluss Ganges, eine bekannte Pilgerstadt am Fuße des Himalaya und Ausgangspunkt zu den heiligen Orten im Garhwal-Gebirge sowie Welthauptstadt des Yoga. Prinz Charles, Madonna und auch die Beatles haben die indische Stadt schon besucht.

Ich traf mich mit Mitgliedern der Lokalverwaltung von Uttarakhand und Kommunalverwaltung von Rishikesh sowie Mitarbeitern der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zu einem Gespräch über das Wasser- und Abwassersystems der Region.

Wir besuchten ein Armenviertel der Stadt, in welchem mir das Projekt zum Anschluss an die Kanalisation erläutert und gezeigt wurde. Das Ziel ist es, die Slums an das Abwassersystem anzuschließen und somit die Gewässer, vor allem den Fluss Ganges sauber zu halten. Im Rahmen eines landesweiten Reinigungsprojektes, dem „Namami Gange“-Projekt der Modi-Regierung, soll der Fluss zu seinem alten Glanz zurückgeführt werden. Ca. 600 Millionen Menschen entlang des Ganges haben keine Abwasseranbindung. Durch das Projekt wird diese Anbindung nun staatlich unterstützt, allerdings müssen die Inder einen ganzen Monatslohn selbst dazu beisteuern, und dieses Geld haben viele nicht. Deshalb wünscht sich die indische Regierung Unterstützung durch andere Länder, denn die Verunreinigungen sind zu 20% durch die ansässigen Leder- und Pharmaindustrien verursacht. Ungefiltert werden hier täglich hochtoxische und gefährliche Abwässer in den Ganges gespült. Bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Hannover Messe 2015, hatte Indiens Premierminister Narendra Modi um Hilfe gebeten. Deutschland ist mit 120 Millionen Euro über die Entwicklungsbank KfW und der technischen Expertise der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) bei Indiens Reinigungsmission dabei. Aber auch die Erfahrungen der deutschen Flussreinigungen sollten mit Indien ausgetauscht werden.

Unser weiterer Rundgang verschlug uns zu einer riesigen Müllhalde in Mitten der Stadt. Hier hat die Regionalverwaltung mit dem Projekt der Renaturierung begonnen, sodass an dieser Stelle, in spätestens 5 Jahren, ein Naherholungspark entstehen soll.

Beim anschließenden Besuch eines Mülltrennungshofes wurde mir gezeigt, wie in Indien Recycling und Mülltrennung per Handarbeit funktionieren.

Ebenso besuchten wir eine Kläranlage, wo mir zum Abschluss das von Fäkalien gereinigte Wasser des Ganges zur Kostprobe (Trinkwasser) angeboten wurde, worauf ich allerdings verzichtete.

Nächstes Highlight des Tages war der Besuch einer Heilpflanzenplantage für Ayurveda im Himalaya-Staat Uttarakhand, auch „Kräuterstaat“ genannt. Dieses Gebiet ist mit tausenden Arten von Heilpflanzen gesegnet, von denen bisher 320 Arten in Bezug auf ihren medizinischen Wert untersucht wurden. Mehr als 250 Arten von Heil- und Aromapflanzen werden kommerziell gefördert und gehandelt.

Bad im heiligen Fluss

In Indien werden die Zeitzonen der gesamten Welt verschiedenen Pflanzen zugeordnet. Der Banyanbaum ist unter anderem Deutschland zugeordnet. Da dieser Baum, auch Bengalische Feige genannt, heilig ist, werden wir bei unserem Besuch besonders freundlich aufgenommen.

Eine seltene Pflanze, die hier wächst, ist der Amlabaum, auch indische Stachelbeere genannt. Dessen Anzucht ist äußerst schwer, weswegen er auch sehr teuer ist. Diese Pflanzenart ist sehr alt und lässt sich praktisch nicht in unseren Breiten halten. Die wohl einzige Pflanze, die es in Osteuropa gibt, habe ich in Sergijew Possad gesehen, in der Galerie der Mönche. Sie braucht Aufmerksamkeit und reagiert empfindlich auf menschlichen Stress. In Indien ist es üblich, die Stachelbeeren zum Essen in Salzwasser mit Kurkuma einzuweichen, um den sauren Früchten auf diese Weise einen angenehmen Geschmack zu verleihen. Außerdem wird die Amla-Frucht auch zum Glätten der Haare benutzt. Die Indische Stachelbeere ist sehr gut erforscht und ihr werden antivirale und antimikrobielle Eigenschaften nachgesagt.

Allerdings konnte der Staat die Heilpflanzenarten nicht optimal nutzen, sodass die Regierung von Uttarakhand 2004 in Muni Ki Reti Kräutergärten als staatliches Projekt „Dr. Sushila“, zur Förderung der Pflanzen und Entwicklung und Konservierung, angelegt hatte.

Beim Rundgang durch den Garten, kamen wir auch an einem rund angelegten Beet vorbei, in dem die sieben Hauptpflanzen der Körpergewebe (Dhatus) der ayurvedischen Medizin angepflanzt sind. Darunter war auch eine Pflanze, die Desmostachya bipinnata, die meine Geburtspflanze ist. Von der Bedeutung her ist diese mit meinem Sternzeichen vergleichbar.

Durch die Ausbeutung der Wälder und damit Zerstörung des natürlichen Lebensraumes sowie fehlenden Planung kam es zu einem schnellen Rückgang der wertvollen Pflanzen. Daher sind der Erhalt, die nachhaltige Bewirtschaftung, die Entwicklung und der Anbau der Heil- und Aromapflanzen die Schlüssellösung des „Kräuterstaates“, um den biotischen Druck auf den Wald zu verringern und gleichzeitig das wirtschaftliche Wohlergehen der lokalen Gemeinschaften zu steigern. Im Angesicht der Bedrohung für eine Reihe von Heilpflanzen hat die Regierung von Uttarakhand Maßnahmen ins Leben gerufen, die die Sammlung von Heilpflanzen in freier Wildbahn reguliert, um die Artenvielfalt zu schützen. Außerdem soll der Anbau der Heil- und Aromapflanzen gefördert werden, als Schlüssel zur Deckung des Rohstoffbedarfs der AYUSH-Industrie und Exportwachstum. Die Region Uttarakhand kämpft somit für den Erhalt der ökologischen und biologischen Ökosysteme der Region mit Förderung und Vermehrung der Heil- und Aromapflanzen, die Errichtung eines Kompetenzzentrums für die Pflanzen der subtropischen Himalaya-Region als Zentrum für Bildung und Forschung und sowie die Entwicklung eines „Kräuter-Arogya Van“, ein Kräutergarten für Pilger und Besucher. Außerdem stehen die Sicherung der Zukunft der RET-Spezies durch ihre Ex-Situ Erhaltung sowie Kräuterqualität, Qualitätskontrolle und Vermarktung im Vordergrund.

Das heutige Kräutergartengebiet hat eine Größe von über 6 Hektar und wird künftig auf 10 Hektar erweitert werden. Das restliche angrenzende Waldgebiet beträgt 15 Hektar und wird für die Erhaltung der seltenen, gefährdeten und bedrohten Arten, welche von medizinischer Bedeutung sind, genutzt und zum “Nature Learning Center” entwickelt.

Den Botanischen Schaugarten ist von einem Fußreflexzonen-Trainingspfad mit einer Länge von ca. 166,5 Metern umgeben, welcher aus drei Trainings-Phasen besteht. Im ersten Monat geht man jeden Tag eine Runde auf dem weißen Abschnitt, im zweiten auf dem blauen und im dritten Monat auf dem roten Abschnitt. Diese habe ich auch gleich ausprobiert und musste feststellen, dass das Gehen darauf schwieriger ist, als es aussieht. Nach drei Metern war für mich Schluss. Wer dieses Training konsequent durchhält und alle Abschnitte gegangen ist, ist frei jeglicher Beschwerden.

Als letzter Programmpunkt für diesen Tag besuchten wir eine nichtstaatliche Schule, Internat und Krankenhaus für ca. 300 Leprakranke Kinder. Das Land Indien ist schon immer das Land mit den meisten Lepra-Erkrankten weltweit, so reden wir von ca. 3.000 Kindern die davon betroffen sind. In den besuchten Einrichtungen erhalten die Kinder und Jugendlichen eine Basisausbildung und helfen anderen Lepra-Kranken bei der Versorgung und Bewältigung alltäglicher Dinge. Dank vieler privater Organisationen und Hilfsverbänden gibt es in Indien eine umfassende Lepra-Versorgung.

Herzlichst,
Ihr Dr. Robby Schlund

Von Dehli nach Rishikesh - Impressionen aus Indien