AfD-Arbeitskreisleiter tagen auf Rügen

Vom 14. bis 16. Juni fand in Binz auf der Insel Rügen eine Klausur der Arbeitskreisleiter der AfD statt.

Dabei wurde unter anderem auch das Gesundheitskonzept der AfD-Fraktion vorgestellt und vielfältige Themen des AK Gesundheit besprochen. So wurde, zusammen mit Dr. Dietmar Buchberger, auch die Schaffung und Optimierung von Schnittstellen zwischen den verschiedenen Arbeitskreisen unserer Bundestagsfraktion thematisiert, um eine noch effektivere und verzahnte Zusammenarbeit sicherzustellen.

Die Arbeitskreise der Bundestagsfraktion

In jeder Wahlperiode richtet der Deutsche Bundestag Ausschüsse ein, an denen Abgeordnete aus allen Fraktionen teilnehmen. In den Ausschüssen bereiten die Abgeordneten Gesetze und Beschlüsse vor und kontrollieren die Arbeit der Bundesministerien.

In der aktuellen Wahlperiode wurden vom Deutschen Bundestag 24 ständige Ausschüsse eingesetzt. Hinzu kommt ein Ausschuss, der die Hintergründe des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz in Berlin im Dezember 2016 untersucht.

Die AfD-Bundestagsfraktion hat parallel zu den Ausschüssen des Bundestags 25 Arbeitskreise gebildet, in denen die Abgeordneten die inhaltliche und fachpolitische Arbeit der Bundestagsausschüsse intern vorbereiten und begleiten. Diese Arbeitskreise sind quasi die Denkfabrik der Fraktion. Die Mitglieder der Arbeitskreise sind gleichzeitig auch ordentliche Mitglieder des entsprechenden Bundestagsausschusses.

Darüber hinaus haben sich einige Abgeordnete noch in eigenen internen Arbeitsgruppen der Fraktion zusammengeschlossen, um verschiedene Themengebiete gesondert zu bearbeiten.

Gesundheitspolitische Positionen der AfD-Fraktion

Für ein sozialorientiertes Gesundheitswesen – Eigenverantwortung fördern – Einsparpotenziale nutzen

Der Arbeitskreis Gesundheit befasst sich mit den Strukturen des deutschen Gesundheitswesens. Dabei kommt ihm die Kompetenz und Erfahrung seiner Mitglieder zugute, die aufgrund ihrer vorherigen beruflichen Tätigkeiten in der Lage sind, die Arbeit des Bundestagsausschusses für Gesundheit kritisch und initiativ zu begleiten. Die Mitglieder des Arbeitskreises Gesundheit vertreten bei Gesprächen mit Vertretern von Politik, Verbänden, Krankenhausträgern und Interessengruppen nachhaltig die im Arbeitskreis erarbeiteten Positionen.

Innerhalb unseres Arbeitskreises erfolgt eine intensive Zusammenarbeit mit den zuständigen Referenten, die ergänzend vertiefte Kenntnisse im Pflegebereich, in den Gesundheitswissenschaften, in der Pädagogik sowie im Management von Gesundheitseinrichtungen einbringen und dabei auch die Bereiche Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sozialwesen und das Sozialrecht fachkundig miteinbeziehen.

Der Arbeitskreis steht für ein sozialorientiertes Gesundheitswesen, das Solidarität mit Eigenverantwortung verbindet und eine flächendeckende medizinische Versorgung auf hohem Niveau für alle Bevölkerungsschichten sicherstellt. Der Arbeitskreis unterstützt das duale System mit dem Wettbewerb zwischen GKV und PKV und steht allen bürokratischen Hürden sowie planwirtschaftlichen Prämien- und Zuzahlungsmodellen sehr kritisch gegenüber.

Das deutsche Gesundheitswesen verfügt über beträchtliche Einsparpotenziale. Allein durch mehr Wettbewerb und Eigenverantwortung will der Arbeitskreis die immens hohen Verwaltungskosten in allen Bereichen reduzieren. Mehrfachdiagnosen und -behandlungen sollen durch digitale Vernetzung und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte reduziert werden.

Unser Gesundheitssystem ist nach wie vor ein Reparatur- und Wiederherstellungsbetrieb. Prävention vermeidet jedoch Krankheiten und eine effizient organisierte Gesundheitsvorsorge legt die Grundlage für ein langes Leben in Gesundheit und Wohlergehen. Der Arbeitskreis setzt sich daher nachhaltig dafür ein, der Prävention einen wesentlich höheren Stellenwert im Gesundheitssystem als bisher einzuräumen. Gesundheitskompetenz und die Erweiterung des Präventionsgesetzes werden daher in der kommenden Legislaturperiode einen besonderen Schwerpunkt der Arbeit in unserem Arbeitskreis bilden.

Lernen von den Nachbarn – Delegationsreise nach Norwegen #Tag3

Am letzen Tag der Delegationsreise sprachen wir mit Vertretern des Center für Würde im Alter (Verdighetsenteret) über ihre Engagement für Schwerkanke und Sterbende.

Das Center für Würde im Alter ist ein nationales Kompetenzzentrum, das schwache, pflegebedürfige ältere Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt begleitet und betreut. Es bietet Sekundarausbildung, Kompetenzaufbau und Konferenzen über die Gesundheit, die Würde und das ehrenamtliche Engagement für die Seniorenbetreuung.

Die Zielgruppen sind das Pflegepersonal in der Seniorenbetreuung, ältere Menschen, Freiwillige und Betreuer sowie der Ausbildungsbereich und die Entscheidungsträger des öffentlichen und privaten Sektors. Die Zentrale des Würdezentrums befindet sich im Pflegeheim des Rotens Kreuzes in Bergen und hat eine Zweigstelle in Oslo. Das Zentrum wurde 2008 gegründet und hat 16 Angestellte. Finanziert wird es direkt durch den Jahreshaushalt der norwegischen Regierung. Das Zentrum wird darüber hinaus vom „Fagforbundet“– der norwegischen Gewerkschaft der Angestellten von Gebietskörperschaften – finanziell unterstützt.

Der Kurs über die Sterbebegleitung und die Würde im hohen Alter fokussiert sich insbesondere auf Demenz und Palliativmedizin. Dr. med. Stein Husebø, ein Kenner des deutschen und norwegischen Gesundheitssystems, veröffentlichte hierzu ein Buch mit dem Titel “Die letzten Tage und Stunden – Palliative Care für Sterbende und Schwerkranke”. Er erklärt, dass diese Kurse vor allem bei Gesundheitsdienstleistern, die mit Senioren arbeiten, von Interesse sind. Bereits 400 Interessierten aus ganz Norwegen haben bereits an diesen Kurs teilgenommen.

Das Buch von Dr. med. Stein Husebø.

Dr. Husebø ist bestrebt, die Kompetenzen von Pflegekräften zu stärken, sodass sie auch semiärztliche Behandlungen durchführen können. Statt einer “ärztlichen Wiederbelebungskultur”, in der ein friedliches Sterben nicht möglich ist, befürwortet er die Finanzierung und Förderung einer “Abschiedskultur”. Krankenhausaufenthalte sind für alle Menschen schlecht und der Tod solle im Kreise der Familie erfolgen und als Teil des Lebenszyklus wahrgenommen werden. 

Die Hausapotheken in Pflegeeinrichtungen sollte auch mit Palliativmedikamenten bestückt sein, was eine entsprechende Kompetenz der Pflegekräfte bedingt.  Dr. Husebø führt aus, dass, wie in der DDR, in Norwegen ein Standard von 150 verschiedene Medikamente vollkommen genügt. In Deutschland hingegen gibt es 40.000 verschiedene Medikamente.

Dr. Stein Husebø (Foto: Fagforbundet)

Beate Magerholm gab einen Überblick über das System der Koordinierung des Ehrenamtes in der Fürsorge. So gibt es einen Gesamtkoordinator, eine Schlüsselperson die zwischen anderen Ehrenamtlern und Berufspflegern sowie Kankenschwestern vermittelt und Ansprechpartner für Patienten ist.

Das Verständnis und die Bereitschaft zum Eintritt in das Ehrenamt wird in Norwegen schon früh in Kindergärten, Schulen, Sport-, Musik- und Kunstvereinen gefördert. So können sich alle Ehrenamtler kennenlernen und Erfahrungen und Probleme austauschen, was der Motivation fördert.

Beate Magerholm (Foto: Fauske Kommune)

Lernen von den Nachbarn – Delegationsreise nach Norwegen #Tag 2

Am zweiten Tag unserer Delegationsreise besuchten wir den Krankenpflegeverband und erfuhren im Gespräch mit der Verbandsvorsitzende Eli Gunhild By Inhalte zur norwegischen Pflegeausbildung sowie Krankenhausfinanzierung.

Der norwegische Krankenpflegeverband ist Norwegens viertgrößte Arbeitnehnerorganisation und die einzige bundesweite Gewerkschaftsorganisation für zugelassene Krankenschwestern , Spezialkrankenschwestern, Hebammen , Krankenschwestern und Krankenpflegestudenten. Die Organisation wurde am 24. September 1912 von Bergljot Larsson gegründet und hat heute rund 115.000 Mitglieder.

So berichtet der Verband über den Besuch aus Deutschland

Der Verband setzt sich für die Interessen und Rechte der Mitglieder ein, unter anderem in Bezug auf Löhne, Arbeitszeiten, Beschäftigung und Renten. Darüber hinaus sollen Pflegeberufe, die pflegerische Ausbildung und die Pflegefunktion weiter verbessert und optimiert werden. Der Pflegeberuf an sich ist in allen skandinavischen Ländern ein akademischer Beruf und es wird, anders als in Deutschland, nicht zwischen Alten- und Krankenpfleger unterschieden.

Jarle Grumstad (li.) und Eli Gunhild By (re.)

Jarle Grumstad erklärte, wie die Ausbildung der Krankenpfleger organisiert ist und wie sich die Arbeitsaufgaben gestalten.

In Norwegen haben Krankenschwestern deutlich mehr Kompetenzen als in Deutschland. So übernehmen sie in Norwegen auch Aufgaben, welche bei uns nur von einem Arzt durchgeführt werden dürfen. Auch der Personalschlüssel ist deutlich besser verteilt, denn in Norwegen stehen 17,5 Krankenpfleger 1000 Patienten gegenüber, zum Vergleich: in Deutschland sind es 12,9 Pfleger. Auch im Bereich der Ausbildung zur Krankenschwester gibt es Unterschiede, denn in Norwegen sind ein Bachelor-Studiengang sowie weitreichende Fort- und Weiterbildungen vereinheitlicht.

Jan Vegard Pettersen
Anita A. Asbjørnsen

Kirsten Brubakk ergänzte, dass der demographische Wandel auch für das norwegische Gesundheitssystem ein Problem darstellt. So ist die Hälfte aller Krankenpfleger bereits älter als 50 Jahre und rund 12.000 Stellen in der Pflege sind unbesetzt. Hierbei muss man allerdings beachten, dass der Personalschlüssel in Norwegen gut 4 mal so hoch ist, wie vergleichsweise in Deutschland. So kommen in Norwegen auf jedes Patientenbett 2,21 Vollzeitpflegekräfte, während es in Deutschland nur 0,56 sind.

Meist bevorzugen die Patienten und Angehörigen eine ambulante Pflege, welche 20-30 Euro pro Monat kostet, während hingegen eine stationäre Pflege anteilig nach dem jeweiligen Einkommen berechnet wird.

Kirsten Bubakk

Der nächste Ausflug an diesem Tag führte uns zum Ullevål-Universitätsklinikum (Ullevål universitetssykehus, UUS) in Oslo. Mit mehr als 8.400 Angestellten ist es nicht nur das größte Krankenhaus in Norwegen, sondern auch eines der größten in Nordeuropa. Circa 940 Ärzte und 2.400 Krankenschwestern betreuen jährlich ungefähr 45.000 Patienten stationär sowie über 400.000 ambulant. Im Rahmen eines Vortrages zum Gesundheitssystem in Norwegen, erläuterte uns Herr Matthias Baaske das sogenannte “Beveridge”-Modell, ein steuerfinanziertes Gesundheitssystem, das nach dem Fürsorgemodell die gesamte Bevölkerung in die Absicherung einschließt.

Die Vorteile daraus liegen klar auf der Hand: gesichertes Einkommen der Leistungsträger, kein Lobbyismus und Finanzierung durch Steuern. Aber dem gegenüber steht natürlich die staatliche Regulierung der Leistungen, wobei der Patient als aktiver Partner angesehen wird und im Mittelpunkt der Gesundheitssystems stehen soll.

Matthias Baaske

Nach der Krankenhausreform 2002 wurden die Kliniken in staatliche Trägerschaft überführt, sind jedoch als Unternehmen organisiert und unterliegen nicht länger der staatlichen Verwaltung. Die übergeordneten gesundheitspolitischen Ziele und Rahmenbedingungen werden vom Staat festgelegt, der wiederrum auch den überwiegenden Teil der Krankenhauskosten trägt. In Norwegen machen reine DRGs 40 Prozent der Gesamtfinanzierung aus, während 60 Prozent als festes Budget an die Krankenhäuser fließen.

Der Anteil der Pflegekosten ist in hoher Wichtung in den DRGs verschlüsselt, so dass der Personalschlüssel der Pflege angehoben werden konnte. Die Anzahl der Vollzeitpflegekräfte pro Bett liegt in Norwegen bei 2,21, zum Vergleich in Deutschland bei 0,56. Dem gegenüber stehen 3,6 Betten pro 1000 Patienten in Norwegen, in Deutschland sind es 8,06 Betten. Die Wartezeiten auf eine stationäre Behandlung sind in Norwegen allerdings sehr lang. Aber das Gesundheitssystem steuert diesem Problem erfolgreich mit einer finanziellen Unterstützung für ambulante Pflege entgegen, denn in Norwegen wird eine pflegende Vollzeitkraft durch die Gemeinde bezahlt. In Norwegen erhalten ca. 15 Prozent der Menschen ab 65 Jahren permanente häusliche Unterstützung, bei den über 80-Jährigen sind es mehr als 50 Prozent.
Zusammenfassend können wir feststellen, dass sich das norwegische Gesundheitssystem durch ein gut funktionierendes System von hausarztzentrierter Versorgung und Akut-Ambulanzen sowie durch optimale Arbeitsbedingungen im medizinischen Bereich, welche es erlauben eine sehr gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erreichen, auszeichnet.

Lernen von den Nachbarn – Delegationsreise nach Norwegen #Tag1

Im Rahmen einer Delegationsreise des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages besuchen wir aktuell das skandinavische Norwegen, um uns vor Ort über das dortige Gesundheitssystem zu informieren und uns mit den Kollegen auszutauschen.

Die dreitägige Reise begann am 21.05.2019 mit einem Briefing in Oslo, durchgeführt vom Botschafter Herr Alfred Grannas. Norwegen gilt mit seinen ca. 5,5 Millionen Einwohnern als das am weitesten entwickelte Land der Welt (gemäß Uno-Index HDI). Der Lebensstandard und die Zufriedenheit der Bevölkerung sind hoch. Die UN-Liste der Länder mit der höchsten Lebensqualität wird von Norwegen angeführt, gefolgt von der Schweiz, Deutschland befindet sich auf Platz 5. Botschafter Grannas erklärt, dass Norwegen ein sehr guter Partner für Deutschland ist, da oftmals die selben Ansichten der Dinge bestehen. Das skandinavische Land probiert gern neue Dinge aus und interessiert sich für den Fortschritt der Technologie. Allerdings bestehen einige Defizite im Bereich des Datenschutzes.

Die norwegische Regierung, eine Mehrheitsregierung, bestehend aus einer Koalition von Christdemokraten, Konservativen (Høyre), der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (FrP) und der Liberalen Partei (Venstre),  verfolgt eine ähnliche Strategie wie Deutschland und hat sich als Ziel eine nachhaltige Wohlfahrtsgesellschaft, den Kampf gegen den Klimawandel, Steuersenkungen für kleine und mittlere Unternehmen, Unterstützung der Familien und Stärkung der inneren Sicherheit gesetzt.

Norwegen beabsichtigt mit seiner Deutschlandstrategie die bilateralen Kontakte, vor allem in den Bereichen Energie, Klima und Umwelt, zu intensivieren. Eine Stärkung der Kooperation in Bezug auf Technologie und Innovation sowie der Austausch und die Zusammenarbeit der deutschen und norwegischen Wissenszentren spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Nach dem interessantem Informationsgespräch besuchten wir das norwegische Ministerium für Gesundheit und Pflege. Es begrüßte uns Herr Petter Øgar. Er berichtete über das norwegische Gesundheitssystem, welches als staatliches System durch das Ministerium für Gesundheit und Pflege gestaltet und überwacht wird. Demzufolge erfolgt die Finanzierung zu ca. 85% aus Steuergeldern. Kosten für die primäre Versorgung müssen von den norwegischen Bürgern selbst gezahlt werden. Das betrifft u.a. Hausarztbesuche, ca. 36 % Eigenanteil pro Rezepte sowie die Kostenübernahme für Physiotherapie und Zahnarztbehandlungen.

Die Selbstbeteiligung der Bürger an den Arztkosten beträgt maximal 250 € pro Jahr und insgesamt kann von einer guten Volksgesundheit in Norwegen gesprochen werden. So ist die Lebenserwartung innerhalb der letzten 20 Jahre ständig gestiegen. Frauen werden im Schnitt 83 Jahre alt, bei Männern liegt die Lebenserwartung bei 78 Jahren. Die gestiegene Lebenserwartung ist vor allem auf verbesserte Hygiene, Impfprogramme und besseren Zugang zu Arzneimitteln zurückzuführen. Die hohe Lebensqualität hat allerdings zur Folge, dass die Gesellschaft altert und damit psychische Erkrankungen oder Demenzkrankheiten zunehmen.

Die skandinavischen Länder sind im Gesundheitsbereich immer wieder Positivbeispiele. In Norwegen liegt die sogenannte Arzt-Patienten-Quote im Hausarztbereich bei 1:1100 und jede Person ist aufgrund des vorherrschenden Hausarztsystems bei einem Hausarzt eingetragen. Ca. 90% der Hausärzte arbeiten freiberuflich, benötigen dazu eine Praxiszulassung von der zuständigen Gemeinde und diese wiederum garantiert ein Basisgehalt. Zu diesem kommen monatlich Kopfpauschalen pro Patient, Einzelleistungsvergütungen sowie die Patienteneigenanteile hinzu.

Beim anschließenden Besuch der staatlichen Behörde für E-Health, dem Steuerungsdirektorat, welches Anfang 2016 gegründet wurde, erklärt man uns, wie nationale Lösungen im IT-Bereich durch diese Behörde besser organisiert und verwaltet werden sollen. Über eine E-Health-Plattform wird es Patienten ermöglicht, auf ihre Krankenakte zugreifen zu können und einzuschränken, wer die sensiblen Daten einsehen darf.

Zum Abschluss des Tages besuchte die Delegation des deutschen Gesundheitsausschusses das norwegische Parlament Stortinget und führte ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Ausschusses für Gesundheit und Pflege, Geir Jørgen Bekkevold. Auch hier steht man einer Zusammenarbeit mit Deutschland sehr positiv gegenüber.

Tula State University – Zusammenarbeit für bessere medizinische Versorgung fördern

Ich besuchte heute das Medizinische Institut der Tula State University in der zentralrussischen Stadt Tula. Die Universität wurde 1930 gegründet und zählt rund 9.900 Studenten aus 50 Ländern.

Ziel meines Besuches war es, Kontakte zu russischen Spezialisten für die gemeinsame Durchführung von Forschungsarbeiten zu knüpfen. Mit Herrn Prof. Dr. Alexander Agubechirovich Khadartsev führte ich diesbezüglich interessante Gespräche.


Beim anschließenden Besuch im Medical Clinical Center, eine Einrichtung, welche sich mit Bildungs- und Forschungsaktivitäten befasst, zeigte mir die stellvertretende Direktorin, Frau Ksenia Yurievna Kitanina, im Rahmen eines Rundgangs die Einrichtung.
Die Studenten des Medizinischen Instituts absolvieren im Medical Clinical Center ihr fünftes und sechstes Studienjahr im Rahmen der klinisch-praktischen Ausbildung. Mir wurden verschiedene medizinischen Geräte und Apparate gezeigt, sogar ein Sehtest wurde mit mir in der Augenklinik durchgeführt.

Anschließend traf ich mich mit dem Dekan der medizinischen Fakultät der TSU, Herr Alexander Agubechirovich Khadartsev und dem stellvertretenden Rektor, Herr Michail Sergeevich Vorotilin. Sie sprachen sich für eine intensivere Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Entwicklung aus und legten hierbei besonderen Wert auf unsere Hochschulen in Thüringen, insbesondere in Ostthüringen. Herr Alexander Agubechirovich Khadartsev schlug vor, gemeinsam die beiden Projekte für die Organisation der primären Gesundheitsversorgung und Erforschung der Mikrozirkulation in Geweben im Zusammenhang zu implementieren.

“Die Probleme der deutschen und russischen Gesundheitsversorgung sind ähnlich, insbesondere im ländlichen Raum, was die zukünftige Versorgung mit Fachärzten betrifft.”, gab ich zu verstehen. Mein Ziel ist es, neue Konzepte zu entwickeln, um unseren Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland effizientere ambulante Versorgungen zu ermöglichen. Die Erfahrungen der russischen Kollegen sind hierbei sehr hilfreich.

Mit meinen Gesprächspartnern einigte ich mich darauf, einen Entwurf für eine Vereinbarung über die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Tula State University zu erarbeiten.

Abschließend hielt ich vor den Studentinnen und Studenten der Tula State University eine Vorlesung zum Thema „Prävention, Adaptive Therapie und funktionelle Medizin – Forschung und Entwicklung der Medizin in einer modernen Gesellschaft“, berichtete über die Komplexität von Biosystemen sowie über Kapillarmikroskopie und informierte im zweiten Teil meiner Vorlesung über Reformmöglichkeiten des deutschen Gesundheitssystems, um es für die Anforderungen der Zukunft fit zu machen. Hierzu stellte ich die Entwürfe des AK Gesundheit der AfD Fraktion vor und überbrachte Grüße unseres AK-Leiters, Herrn Professor Gehrke.

Die Arbeit der AfD Fraktion wird im Ausland sehr positiv beurteilt und mit Interesse beobachtet. Es wurde darauf hingewiesen, die Arbeit noch stärker in Englisch und weiteren Sprachen zu veröffentlichen, um den objektiven Informationsfluss an die jungen Studierenden zu verbessern.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz

Der Erkenntnisprozess in der Psychologie ist ein fließender und setzt ein hochkomplexes, integratives Verständnis der Funktion, Dynamik und Struktur der Seele voraus. Dieser Erkenntnisprozess ist zusätzlich noch in vergangene, gegenwärtige und visionale Ebenen verwoben.

„Der Psychologe muss Mechaniker sein –  vor, während und nach dem Gespräch.“ Das sagte einmal Walter Fürst. Glauben Sie, dass Sie mit Verkürzung der praktischen Ausbildungen, genau dieser oben erwähnten

  • Komplexizität
  • Integrativität
  • und dem psychotherapeutischen Handwerkszeug

gerecht werden können? Ich glaube das eher nicht. Bleiben wir doch gleich mal bei dem Handwerkzeug, zum Beispiel dem Gespräch. Haben sie sich jemals Gedanken gemacht, wie denn ein Gespräch zwischen zwei Menschen abläuft? Ich werde Ihnen ein kurzes Beispiel erzählen:

Es treffen sich zwei Kinder. Der Vater des einen Kindes ist Pfarrer, das Vater des anderen Kindes ist Tischler. Sie stehen vor einen Tisch und die Sonne scheint. Da sagt das Pfarrerskind; “Die Sonne scheint auf den Tisch”. Des Tischlers Kind sagt; “Der Tisch, auf den die Sonne scheint”.

Wissen Sie, was der Unterschied ist? Der Unterschied ist, dass die Bewertung des Gesprächs völlig unterschiedlich ist. Nun stellen Sie sich vor, wenn solche Differenzen bestehen, wie soll das erst mit unterschiedlichen Sprachniveau geschehen?

Und nun… meine Damen und Herren, wie Sie sehen, ist es gar nicht so einfach, in dieser Mischung, aus nonverbaler Kommunikation und aus verbaler Kommunikation komplexe Krankheitsbilder, wie Psychosen oder Psychische Störungen, zu erkennen.

In einem Ihrer Gesetzentwürfe zum TSVG, Herr Spahn, wurde schon einmal der Vorschlag gemacht, eine „gestufte und gesteuerte Versorgung“ aufgrund der langen Wartezeiten bei Psychotherapeuten einzuführen. Dagegen sprachen sich der Bundesrat sowie ca. 200.000 Unterzeichner einer Petition aus.

Jetzt wird erneut zum Schlag ausgeholt:

Beim „Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz“, inklusive dem Thema „koordinierte und strukturierte Versorgung“ kommen Sie, Herr Spahn, durch die Hintertür.

Nicht nur dass, Sie kommen auch wieder mit Reformen zu Lasten von unseren Patienten. Der Spitzenverband ZNS lehnt den Gesetzentwurf mit den Worten ab: „Es werden mit dem Reformansatz keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen.“

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) verlangt eine „komplette Neuausrichtung des Gesetzesentwurfs“ und auch die Bundesärztekammer spricht von vielen „ungeklärten Fragen“.  Das Ziel, die Attraktivität der Ausbildung zum Psychotherapeuten zu steigern, wird mit dem Gesetzentwurf leider nicht erreicht.

Der eigentliche Grund für die Reform des Ausbildungsgesetzes, ist der Bologna-Prozess, als europaweite Harmonisierung von Studiengängen und Abschlüssen und die damit einhergehende Verschulung und Ökonomisierung der Hochschulausbildung. Es ist die europäische Nivellierung und zwar die, auf dem kleinsten gemeinsamen Niveau. Nicht nur das. Auch der Praxisanteil ist viel zu gering.

Der Bundesrat führt dazu aus: „… im weiteren Gesetzgebungsverfahren sei zu prüfen, wie ein ausreichend großer Praxisanteil in der direkten Versorgung von Patientinnen und Patienten vor der Erteilung einer Approbation gewährleistet werden kann.”

Wir fordern deshalb:

  1. die Erweiterung des Vollzeitstudiums um mind. 1 praktisches Semester
  2. eine schriftliche länderübergreifende einheitliche Prüfung in der auch Facharztkenntnisse überprüft werden.
  3. für nicht deutschsprachige Bewerber eine verpflichtende Sprachprüfung, Sprachniveau C2
  4. als Anwalt der Patienten mehr Patientensicherheit

Vielen Dank.

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag4

Heute war ein besonderer Tag. Ich besuchte die Lotus Valley International School (LVIS), eine Eliteschule in Indien.

Der Schulkomplex ist sehr groß und vollständig digitalisiert. Ich erhielt Einblicke in verschiedene Unterrichtsfächer, die u.a. sensomotorische Fähigkeiten und Koordination fördern. Neben Tanz, Kunst und naturwissenschaftlichen Unterricht, spielt Sport eine große Rolle. So verfügt die Lotus Valley International School über sehr große Sportanlagen für Leichtathletik, Fußball, Golf und vielem mehr. Auch eigene Squash-Courts sind vorhanden.

Die Schulleitung begrüßte Dr. Robby Schlund.

Bei der Sprachausbildung spielt insbesondere der Deutschunterricht eine große Rolle. Der allgemeine Unterricht wird englischsprachig geführt.
Bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Schule, sprach ich auch mit einem Mädchen, welche eine der Gewinnerinnen im gesamtindischen Wissenschaftswettbewerb ist und beim 2-wöchigen Indien-Russland Summit 2018 den Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin und den Premierminister der Republik Indiens, Narendra Modi, traf. Sie interviewte mich für die hauseigene Schülerzeitung.

Nach einem Kulturprogramm, mit ebenfalls den Besten in indischem Tanz und einem kleinem Sitar-Konzert, konnte ich mich im Töpfern, Malen und Schlagzeugspielen üben und einen Eindruck vom anspruchsvollen Unterricht der Eliteschule erhalten. Ich durfte sogar eine kurze Yoga-Einheit mit den Schülern leiten.

Kulturprogramm, Schlagzeugspielen und Yoga-Einheit

Anschließend hatte ich die Gelegenheit, vor rund 100 Schülern, Lehrern und Eltern einen Vortrag zum Thema Völkerverständigung zu halten und unsere AfD-Fraktion vorzustellen.
Ich habe den jungen Menschen und zukünftigen Führungskräften Mut zugesprochen, ihre alte und traditionsreiche Kultur zu erhalten und mit Fleiß und Disziplin jeden Tag zu lernen, um Indien als größte Demokratie der Welt, zum Leuchtturm einer ganzheitlichen und nachhaltigen Zukunftsvision unserer Jugend weltweit zu machen.
Dazu merkte ich an, dass die vielen jungen Frauen hier im Auditorium, mit Stolz und Selbstbestimmtheit einem mittelalterlichen Frauenverständnis die Stirn bieten sollten und damit, mit dem vedischen Verständnis von Sama Prakriti (sama = ausgeglichen, Prakriti = Persönlichkeit), dem Terrorismus und der Rückständigkeit eine klare Absage erteilen sollten.

Die besten Deutschschüler mit Eltern und Lehrern.

Bei meinem weiteren Rundgang in der Schule, kam ich auch in die Schulkantine, in der es frisch gekochte indische und europäische Spezialitäten gibt, welche ich auch selbst verkosten durfte. Ebenso wurde mir eine der großen Bibliotheken mit über 10.000 Büchern gezeigt. Dort sprach mich ein Schüler an und sagte mir; „Wissen ist die Macht der Zukunft und wird uns zu Global Leadern machen“. Damit hat er recht. Von Demonstrationen, wie wir sie in westlichen Ländern kennen, hält man hier nichts. Die Schülerinnen und Schüler der Lotus Valley International School haben große Ziele und investieren ihre Zeit lieber in Lernen, um die Zukunft besser zu gestalten und die Umwelt Indiens besser zu machen.

Der Besuch diese Eliteschule war äußerst beeindruckend und es hat mich sehr gefreut, diese vielen ehrgeizigen Schüler kennenzulernen.

Lesen Sie am Montag von meinem Besuch des Ganges, dem zweitgrößten Fluss Indiens und wie dort das Abwassermanagement gehandhabt wird.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

Einblicke in den Kunstunterricht

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag3

Der dritte Tag meines offiziellen Arbeitsbesuches in Neu Dehli führte mich zu einem Termin in die deutsch-indische Handelskammer. Hier empfing mich die Leiterin der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft, Dr. Renate Schimkoreit und Büroleiterin Sonia Prashar zu einem Gespräch. Mit rund 6.500 Mitgliedern und Hauptsitz in Mumbai, ist sie die größte der deutschen Auslandshandelskammern und zeichnet sich durch erstklassige Betreuung von deutschen und indischen Delegationen sowie vorbildlicher Netzwerkverbindungen, sowohl auf politischer, als auch auf wirtschaftlicher Ebene, aus. Durch hervorragende indische Marketing-Strategien hat sich die wirtschaftliche Beziehung zu Deutschland mehr als verbessert, sodass deutsche Firmen den Mut hatten und haben, in die indische Wirtschaft einzusteigen. Indien selber, möchte mit  guter Schulbildung sowie zahlreichen Weiterbildungen und nebenberuflichen Fortbildungen, die Bildungsmisere, insbesondere der armen Schichten, wesentlich verbessern. Einer Zusammenarbeit mit Deutschland steht Indien sehr offen und zuversichtlich gegenüber, vor allem unsere Thüringer Region ist sehr gefragt.

Am Mittag empfing mich Rajesch Kotecha, Staatssekretär für Ayurveda- und Naturheilkundemedizin vom AYUSH-Ministerium. Das AYUSH-Ministerium wurde am 9. November 2014 gegründet, um die optimale Entwicklung und Verbreitung der AYUSH-Systeme für die Gesundheitsfürsorge sicherzustellen. Früher war es als Abteilung für indisches System für Medizin und Homöopathie (ISM & H) bekannt, die im März 1995 gegründet wurde und im November 2003 in Ayurveda, Yoga und Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie (AYUSH) umbenannt wurde.

Dhanvantari gilt in der hinduistischen Mythologie als Arzt der Götter und Ursprung aller Heilkunst.

Die Ziele von AYUSH sind die Verbesserung der Bildungsstandards der indischen Systeme für Arzneimittel und Homöopathie im Land, die Stärkung bestehender Forschungseinrichtungen und die Sicherstellung eines zeitgebundenen Forschungsprogramms zu ermittelten Krankheiten, bei denen diese Systeme zur wirksamen Behandlung beitragen.
Darüber hinaus erstellt AYUSH Programme zur Förderung, zum Anbau und zur Regeneration von in diesen Systemen verwendeten Heilpflanzen und fördert die Entwicklung pharmakologischer Standards für indische Systeme der Medizin und Homöopathie.

Besonders zu nennen sind hier die Spezialisten der Marmatherapie, eine spezielle Form der manuellen Therapie und Osteopathie. In speziellen Wellness-Camps sollen Weiterbildungsprogramme für Ärzte aus aller Welt entstehen. Therapien können selbst ausprobiert und gelernt werden. Ergänzt wird das Ganze mit Marketingstrategien, die den Wohlfühlcharakter für die Patienten in den Praxen steigern.

Am frühen Nachmittag traf ich weitere Ayurvedaärzte und Vertreter des AYUSH-Ministeriums in der deutschen Botschaft. Bei diesem Besuch wurde mir eine besondere persönliche Ehre zu Teil. Dr. Triguna zeichnete mich für meinen jahrelangen Einsatz für die Ayurvedamedizin mit dem NirogStreet-Preis aus.
NirogStreet ist Indiens größte Datenbank von kuratierten und zertifizierten Ayurveda-Praktizierenden und stellt auch für Ärzte eine Plattform dar, welche ausschließlich für Ayurveda-Praktiker ist, um mit Patienten in Kontakt zu treten und ihre digitale Reputation aufzubauen.

Mein letzter Termin für diesen Tag war ein Besuch bei der Kinderhilfsorganisation Plan International.
Plan International ist ein internationales Kinderhilfswerk und in über 70 Ländern, unabhängig von Religion und Politik, tätig. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert Plan International nachhaltige und kinderorientierte Selbsthilfeprojekte hauptsächlich über Patenschaften. An der Planung und Realisierung der Projekte sind die Gemeinden unmittelbar beteiligt. Die Organisation ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als private und unabhängige Organisation anerkannt und ist im Beratungsausschuss von Nichtregierungsorganisationen für UNICEF.

Die Arbeit der Organisation basiert auf der Unterstützung und Entwicklung ganzer Gemeinden.

Ein Besuch im “Digital Learning Centre” von Plan in Dwarka verschaffte mir neue Einblicke in das indische Schulwesen. Hier soll jungen Mädchen, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen, die Möglichkeit gegeben werden, eine Basisausbildung zu erlangen. Ziel ist es, zu lernen, um die Zukunft besser zu gestalten, frei nach dem Motto: Das Wissen ist die Macht der Zukunft. Im Rahmen einer Videokonferenz konnte ich mit 35 Klassen gleichzeitig kommunizieren. Die Klassengrößen schwanken zwischen 15-45 Schülern, die auf den Fußboden im Schneidersitz dem Unterricht folgen. Alle 35 Klassen begrüßten mich gleichzeitig mit einem großen “Hallo” und freuten sich sehr, einen deutschen Abgeordneten kennen zulernen. 

Ich sprach den jungen Frauen Mut zu und sagte ihnen, dass sie für ihre Unabhängigkeit und Freiheit viel lernen müssen. Dann werden Sie die zukünftigen Gestalter unserer Welt sein. Denn nur eins führt zum Ziel: Lernen!

 

Lesen Sie morgen von meinem Besuch in einer Eliteschule, wie mich ein Mädchen interviewte, dass einen gesamtindischen Wettbewerb in Wissenschaft gewann und wie ich eine Yoga-Einheit mit indischen Schülerinnen leitete.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

“Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag2

Am zweiten Tag meines Arbeitsbesuches in Neu-Dehli traf ich mich in der deutschen Botschaft mit Dr. Volker Klinnert. Er ist einer der Regionalärzte der Bundesrepublik und hat seine Praxis in der deutschen Botschaft. Dr. Klinnert wuchs in Spanien auf, lebte auch längere Zeit in Deutschland, arbeitete später unter anderem in Saudi-Arabien, China und Nordkorea, wo er in der Hauptstadt Pjöngjang in den Räumen der früheren DDR-Botschaft praktizierte.
Dr. Klinnert ist für das Auswärtige Amt in Berlin bereits seit Ende 1992 im Dienst und aktuell als Regionalarzt mit seinem Team zuständig für die arbeitsmedizinische Betreuung des Personals an deutschen Botschaften und Generalkonsulaten in Neu-Dehli.

Dr. Robby Schlund mit Regionalarzt Dr. Volker Klinnert (li.) und seinem Team in der deutschen Botschaft.

Im Anschluss besuchte ich die Confederation of Indian Industry, kurz CII. Die CII ist Indiens größter Wirtschaftsverband. Ihm gehören rund 8.000 direkte Mitgliedsunternehmen und 200.000 Unternehmen aus 240 nationalen und regionalen Industrieverbänden an.
In einem interessanten Gespräch mit Dr. Shubnum Singh (Direktorin für medizinische Ausbildung, medizinische Forschung und Beraterin zum Gesundheitswesen bei Max Healthcare) wurde das indische Gesundheitssystem “Modicare” näher erläutert. Es handelt sich um riesiges Krankenversicherungsprogramm für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Für ca. 100 Millionen arme Familien sollen somit Gesundheitskosten in Höhe von je ca. 6.000 Euro übernommen werden.

Zum Mittagessen traf ich mich mit dem deutschen Botschafter Walter Lindner. Bereits im März traf ich ihn in Berlin, im Rahmen der feierlichen Übergabe des Amtes des Staatssekretärs an seine Nachfolgerin Antje Leendertse. Nun hatte ich Gelegenheit, mit ihm, in seiner neuen Funktion als Botschafter in Indien, sehr interessante Gespräche zum Thema Gesundheit zu führen.

Treffen mit dem deutschen Botschafter, Walter Lindner.

Am Nachmittag wurde dann die Deutsche Schule New Dehli (DSND) sowie das Goethe-Institut besucht. Die DSND ist eine anerkannte deutsche Auslands- und Botschaftsschule. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Gütesiegel BLI – Exzellente Deutsche Auslandsschule und stellt sich verändernden gesellschaftlichen modernen Anforderungen. Transparenz und Partizipation stehen hierbei im Vordergrund.  An der DSND können die Haupt- und Realschulprüfung sowie die Deutsche Internationale Abiturprüfung (DIAP) abgelegt werden. Den Eltern in Indien ist es wichtig, dass ihre Kinder an dieser Schule eine Ausbildung absolvieren, um später als Fachkraft für deutsche Firmen oder sogar direkt in Deutschland tätig werden zu können. 

Schulleiter Procolino Antacido (li.) begrüßte mit seinem Kollegium Dr. Robby Schlund in der Deutschen Schule New Dehli (DSND).

Lesen Sie morgen von meinem Treffen mit AYUSH, der Vereinigung der Ayurvedaärzte in der Deutschen Botschaft
und meinen Besuch bei der NGO Plan und ihren Hilfsprojekten.

Ihr,
Dr. Robby Schlund”

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag1

Auf Einladung von AYUSH (Ministerium für Ayurveda, Yoga und Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie) und offizieller Anregung der indischen Botschafterin I.E. Frau Mukta Dutta Tomar sowie als Vertreter der deutsch-indischen Parlamentariergruppe, trat ich diese Reise an, um mehr über Prävention und traditionelle, uralte Heilverfahren, mit denen auch heute noch ein Großteil der indischen Bevölkerung versorgt wird, zu diskutieren und die Möglichkeiten zu erörtern, wie dies in unser modernes, westliches Gesundheitswesen integriert und damit in Einklang gebracht werden kann.

Am Sonntag bekam ich einen ersten Eindruck und besuchte ein neu entwickeltes Wohn- und Geschäftsareal in Noida, einem Vorort von Dehli. Die Luftqualität hat sich in den vergangenen 10 Jahren spürbar verbessert.

Noida, als Akronym abgeleitet von New Okhla Industrial Development Authority, (HindiनोएडाNoeḍā) ist eine Industriestadt in Nordindienmit etwa 640.000 Einwohnern (Volkszählung 2011).

Noida liegt im äußersten Westen des Bundesstaates Uttar Pradesh an der Grenze zu Haryana und ist eine südöstliche Vorstadt von Delhi

Eine weitere Station meines ersten Tages war die Ayurveda-Klinik in Greater Noida. Hier, bei Bliss Ayurveda, engagiert man sich für die Aufrechterhaltung der Gesundheit der Menschen und arbeitet an der Entwicklung eines Teams von engagierten Personen, einschließlich Vaidyas (Ayurveda-Ärzte), Angehörigen der Gesundheitsberufe, Vertriebshändlern usw., mit dem Ziel, das Ayurveda-Wissen in der ganzen Welt zu verbreiten.

„Die Gesundheit des Gesunden zu erhalten und den Kranken zu behandeln“, so heißt es in einer alten Definition des Ayurveda. Denn sie ist mehr als eine Heilkunde, es ist eine umfassende Gesundheitslehre. Über viele Jahrhunderte sind Erfahrungen ganzer ärztlicher Generationen gesammelt und zusammengetragen worden.

Im indischen Gesundheitswesen wurde im Jahr 1942 ein Dokument verabschiedet, was die Basis beschreibt, nämlich traditionelle indische Heilverfahren mit moderner Medizin in Einklang zu bringen.

Dr. Nitin Agrawal ist der Chef der Ayurveda-Klinik in Noida und führte mich durch die Räumlichkeiten, welche modern und traditionell zugleich eingerichtet sind.

Der Begriff Ayurveda stammt übrigens aus dem Sanskrit (ayur = Leben / veda = Wissen] und bedeutet soviel wie “Wissen vom Leben”. Ayurveda bezieht sich nicht nur auf die medizinische Ebene, sondern ist auch ein komplettes philosophisches Konstrukt, dass mit drei Grundelementen (Vata, Pitta, Kapha) die Welt fraktal beschreibt.

Klinik-Chef Dr. Nitin Agrawal (re.). Seine Frau Smita (li.) ist Officemanagerin in der Klinik.

In den kommenden Tagen werde ich verschiedenste Institutionen des indischen Gesundheitswesen besuchen und auf jemanden treffen, den ich vor kurzem erst in Berlin begegnet bin. Mehr dazu erfahren Sie in meinen Bericht zum 2. Tag in Indien.

Herzlichst,
Ihr Dr. Robby Schlund