Tula State University – Zusammenarbeit für bessere medizinische Versorgung fördern

Ich besuchte heute das Medizinische Institut der Tula State University in der zentralrussischen Stadt Tula. Die Universität wurde 1930 gegründet und zählt rund 9.900 Studenten aus 50 Ländern.

Ziel meines Besuches war es, Kontakte zu russischen Spezialisten für die gemeinsame Durchführung von Forschungsarbeiten zu knüpfen. Mit Herrn Prof. Dr. Alexander Agubechirovich Khadartsev führte ich diesbezüglich interessante Gespräche.


Beim anschließenden Besuch im Medical Clinical Center, eine Einrichtung, welche sich mit Bildungs- und Forschungsaktivitäten befasst, zeigte mir die stellvertretende Direktorin, Frau Ksenia Yurievna Kitanina, im Rahmen eines Rundgangs die Einrichtung.
Die Studenten des Medizinischen Instituts absolvieren im Medical Clinical Center ihr fünftes und sechstes Studienjahr im Rahmen der klinisch-praktischen Ausbildung. Mir wurden verschiedene medizinischen Geräte und Apparate gezeigt, sogar ein Sehtest wurde mit mir in der Augenklinik durchgeführt.

Anschließend traf ich mich mit dem Dekan der medizinischen Fakultät der TSU, Herr Alexander Agubechirovich Khadartsev und dem stellvertretenden Rektor, Herr Michail Sergeevich Vorotilin. Sie sprachen sich für eine intensivere Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Entwicklung aus und legten hierbei besonderen Wert auf unsere Hochschulen in Thüringen, insbesondere in Ostthüringen. Herr Alexander Agubechirovich Khadartsev schlug vor, gemeinsam die beiden Projekte für die Organisation der primären Gesundheitsversorgung und Erforschung der Mikrozirkulation in Geweben im Zusammenhang zu implementieren.

“Die Probleme der deutschen und russischen Gesundheitsversorgung sind ähnlich, insbesondere im ländlichen Raum, was die zukünftige Versorgung mit Fachärzten betrifft.”, gab ich zu verstehen. Mein Ziel ist es, neue Konzepte zu entwickeln, um unseren Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland effizientere ambulante Versorgungen zu ermöglichen. Die Erfahrungen der russischen Kollegen sind hierbei sehr hilfreich.

Mit meinen Gesprächspartnern einigte ich mich darauf, einen Entwurf für eine Vereinbarung über die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Tula State University zu erarbeiten.

Abschließend hielt ich vor den Studentinnen und Studenten der Tula State University eine Vorlesung zum Thema „Prävention, Adaptive Therapie und funktionelle Medizin – Forschung und Entwicklung der Medizin in einer modernen Gesellschaft“, berichtete über die Komplexität von Biosystemen sowie über Kapillarmikroskopie und informierte im zweiten Teil meiner Vorlesung über Reformmöglichkeiten des deutschen Gesundheitssystems, um es für die Anforderungen der Zukunft fit zu machen. Hierzu stellte ich die Entwürfe des AK Gesundheit der AfD Fraktion vor und überbrachte Grüße unseres AK-Leiters, Herrn Professor Gehrke.

Die Arbeit der AfD Fraktion wird im Ausland sehr positiv beurteilt und mit Interesse beobachtet. Es wurde darauf hingewiesen, die Arbeit noch stärker in Englisch und weiteren Sprachen zu veröffentlichen, um den objektiven Informationsfluss an die jungen Studierenden zu verbessern.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz

Der Erkenntnisprozess in der Psychologie ist ein fließender und setzt ein hochkomplexes, integratives Verständnis der Funktion, Dynamik und Struktur der Seele voraus. Dieser Erkenntnisprozess ist zusätzlich noch in vergangene, gegenwärtige und visionale Ebenen verwoben.

„Der Psychologe muss Mechaniker sein –  vor, während und nach dem Gespräch.“ Das sagte einmal Walter Fürst. Glauben Sie, dass Sie mit Verkürzung der praktischen Ausbildungen, genau dieser oben erwähnten

  • Komplexizität
  • Integrativität
  • und dem psychotherapeutischen Handwerkszeug

gerecht werden können? Ich glaube das eher nicht. Bleiben wir doch gleich mal bei dem Handwerkzeug, zum Beispiel dem Gespräch. Haben sie sich jemals Gedanken gemacht, wie denn ein Gespräch zwischen zwei Menschen abläuft? Ich werde Ihnen ein kurzes Beispiel erzählen:

Es treffen sich zwei Kinder. Der Vater des einen Kindes ist Pfarrer, das Vater des anderen Kindes ist Tischler. Sie stehen vor einen Tisch und die Sonne scheint. Da sagt das Pfarrerskind; “Die Sonne scheint auf den Tisch”. Des Tischlers Kind sagt; “Der Tisch, auf den die Sonne scheint”.

Wissen Sie, was der Unterschied ist? Der Unterschied ist, dass die Bewertung des Gesprächs völlig unterschiedlich ist. Nun stellen Sie sich vor, wenn solche Differenzen bestehen, wie soll das erst mit unterschiedlichen Sprachniveau geschehen?

Und nun… meine Damen und Herren, wie Sie sehen, ist es gar nicht so einfach, in dieser Mischung, aus nonverbaler Kommunikation und aus verbaler Kommunikation komplexe Krankheitsbilder, wie Psychosen oder Psychische Störungen, zu erkennen.

In einem Ihrer Gesetzentwürfe zum TSVG, Herr Spahn, wurde schon einmal der Vorschlag gemacht, eine „gestufte und gesteuerte Versorgung“ aufgrund der langen Wartezeiten bei Psychotherapeuten einzuführen. Dagegen sprachen sich der Bundesrat sowie ca. 200.000 Unterzeichner einer Petition aus.

Jetzt wird erneut zum Schlag ausgeholt:

Beim „Psychotherapeuten-Ausbildungsreformgesetz“, inklusive dem Thema „koordinierte und strukturierte Versorgung“ kommen Sie, Herr Spahn, durch die Hintertür.

Nicht nur dass, Sie kommen auch wieder mit Reformen zu Lasten von unseren Patienten. Der Spitzenverband ZNS lehnt den Gesetzentwurf mit den Worten ab: „Es werden mit dem Reformansatz keine Probleme gelöst, sondern neue geschaffen.“

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) verlangt eine „komplette Neuausrichtung des Gesetzesentwurfs“ und auch die Bundesärztekammer spricht von vielen „ungeklärten Fragen“.  Das Ziel, die Attraktivität der Ausbildung zum Psychotherapeuten zu steigern, wird mit dem Gesetzentwurf leider nicht erreicht.

Der eigentliche Grund für die Reform des Ausbildungsgesetzes, ist der Bologna-Prozess, als europaweite Harmonisierung von Studiengängen und Abschlüssen und die damit einhergehende Verschulung und Ökonomisierung der Hochschulausbildung. Es ist die europäische Nivellierung und zwar die, auf dem kleinsten gemeinsamen Niveau. Nicht nur das. Auch der Praxisanteil ist viel zu gering.

Der Bundesrat führt dazu aus: „… im weiteren Gesetzgebungsverfahren sei zu prüfen, wie ein ausreichend großer Praxisanteil in der direkten Versorgung von Patientinnen und Patienten vor der Erteilung einer Approbation gewährleistet werden kann.”

Wir fordern deshalb:

  1. die Erweiterung des Vollzeitstudiums um mind. 1 praktisches Semester
  2. eine schriftliche länderübergreifende einheitliche Prüfung in der auch Facharztkenntnisse überprüft werden.
  3. für nicht deutschsprachige Bewerber eine verpflichtende Sprachprüfung, Sprachniveau C2
  4. als Anwalt der Patienten mehr Patientensicherheit

Vielen Dank.

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag4

Heute war ein besonderer Tag. Ich besuchte die Lotus Valley International School (LVIS), eine Eliteschule in Indien.

Der Schulkomplex ist sehr groß und vollständig digitalisiert. Ich erhielt Einblicke in verschiedene Unterrichtsfächer, die u.a. sensomotorische Fähigkeiten und Koordination fördern. Neben Tanz, Kunst und naturwissenschaftlichen Unterricht, spielt Sport eine große Rolle. So verfügt die Lotus Valley International School über sehr große Sportanlagen für Leichtathletik, Fußball, Golf und vielem mehr. Auch eigene Squash-Courts sind vorhanden.

Die Schulleitung begrüßte Dr. Robby Schlund.

Bei der Sprachausbildung spielt insbesondere der Deutschunterricht eine große Rolle. Der allgemeine Unterricht wird englischsprachig geführt.
Bei einem Rundgang durch die Räumlichkeiten der Schule, sprach ich auch mit einem Mädchen, welche eine der Gewinnerinnen im gesamtindischen Wissenschaftswettbewerb ist und beim 2-wöchigen Indien-Russland Summit 2018 den Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin und den Premierminister der Republik Indiens, Narendra Modi, traf. Sie interviewte mich für die hauseigene Schülerzeitung.

Nach einem Kulturprogramm, mit ebenfalls den Besten in indischem Tanz und einem kleinem Sitar-Konzert, konnte ich mich im Töpfern, Malen und Schlagzeugspielen üben und einen Eindruck vom anspruchsvollen Unterricht der Eliteschule erhalten. Ich durfte sogar eine kurze Yoga-Einheit mit den Schülern leiten.

Kulturprogramm, Schlagzeugspielen und Yoga-Einheit

Anschließend hatte ich die Gelegenheit, vor rund 100 Schülern, Lehrern und Eltern einen Vortrag zum Thema Völkerverständigung zu halten und unsere AfD-Fraktion vorzustellen.
Ich habe den jungen Menschen und zukünftigen Führungskräften Mut zugesprochen, ihre alte und traditionsreiche Kultur zu erhalten und mit Fleiß und Disziplin jeden Tag zu lernen, um Indien als größte Demokratie der Welt, zum Leuchtturm einer ganzheitlichen und nachhaltigen Zukunftsvision unserer Jugend weltweit zu machen.
Dazu merkte ich an, dass die vielen jungen Frauen hier im Auditorium, mit Stolz und Selbstbestimmtheit einem mittelalterlichen Frauenverständnis die Stirn bieten sollten und damit, mit dem vedischen Verständnis von Sama Prakriti (sama = ausgeglichen, Prakriti = Persönlichkeit), dem Terrorismus und der Rückständigkeit eine klare Absage erteilen sollten.

Die besten Deutschschüler mit Eltern und Lehrern.

Bei meinem weiteren Rundgang in der Schule, kam ich auch in die Schulkantine, in der es frisch gekochte indische und europäische Spezialitäten gibt, welche ich auch selbst verkosten durfte. Ebenso wurde mir eine der großen Bibliotheken mit über 10.000 Büchern gezeigt. Dort sprach mich ein Schüler an und sagte mir; „Wissen ist die Macht der Zukunft und wird uns zu Global Leadern machen“. Damit hat er recht. Von Demonstrationen, wie wir sie in westlichen Ländern kennen, hält man hier nichts. Die Schülerinnen und Schüler der Lotus Valley International School haben große Ziele und investieren ihre Zeit lieber in Lernen, um die Zukunft besser zu gestalten und die Umwelt Indiens besser zu machen.

Der Besuch diese Eliteschule war äußerst beeindruckend und es hat mich sehr gefreut, diese vielen ehrgeizigen Schüler kennenzulernen.

Lesen Sie am Montag von meinem Besuch des Ganges, dem zweitgrößten Fluss Indiens und wie dort das Abwassermanagement gehandhabt wird.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

Einblicke in den Kunstunterricht

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag3

Der dritte Tag meines offiziellen Arbeitsbesuches in Neu Dehli führte mich zu einem Termin in die deutsch-indische Handelskammer. Hier empfing mich die Leiterin der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft, Dr. Renate Schimkoreit und Büroleiterin Sonia Prashar zu einem Gespräch. Mit rund 6.500 Mitgliedern und Hauptsitz in Mumbai, ist sie die größte der deutschen Auslandshandelskammern und zeichnet sich durch erstklassige Betreuung von deutschen und indischen Delegationen sowie vorbildlicher Netzwerkverbindungen, sowohl auf politischer, als auch auf wirtschaftlicher Ebene, aus. Durch hervorragende indische Marketing-Strategien hat sich die wirtschaftliche Beziehung zu Deutschland mehr als verbessert, sodass deutsche Firmen den Mut hatten und haben, in die indische Wirtschaft einzusteigen. Indien selber, möchte mit  guter Schulbildung sowie zahlreichen Weiterbildungen und nebenberuflichen Fortbildungen, die Bildungsmisere, insbesondere der armen Schichten, wesentlich verbessern. Einer Zusammenarbeit mit Deutschland steht Indien sehr offen und zuversichtlich gegenüber, vor allem unsere Thüringer Region ist sehr gefragt.

Am Mittag empfing mich Rajesch Kotecha, Staatssekretär für Ayurveda- und Naturheilkundemedizin vom AYUSH-Ministerium. Das AYUSH-Ministerium wurde am 9. November 2014 gegründet, um die optimale Entwicklung und Verbreitung der AYUSH-Systeme für die Gesundheitsfürsorge sicherzustellen. Früher war es als Abteilung für indisches System für Medizin und Homöopathie (ISM & H) bekannt, die im März 1995 gegründet wurde und im November 2003 in Ayurveda, Yoga und Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie (AYUSH) umbenannt wurde.

Dhanvantari gilt in der hinduistischen Mythologie als Arzt der Götter und Ursprung aller Heilkunst.

Die Ziele von AYUSH sind die Verbesserung der Bildungsstandards der indischen Systeme für Arzneimittel und Homöopathie im Land, die Stärkung bestehender Forschungseinrichtungen und die Sicherstellung eines zeitgebundenen Forschungsprogramms zu ermittelten Krankheiten, bei denen diese Systeme zur wirksamen Behandlung beitragen.
Darüber hinaus erstellt AYUSH Programme zur Förderung, zum Anbau und zur Regeneration von in diesen Systemen verwendeten Heilpflanzen und fördert die Entwicklung pharmakologischer Standards für indische Systeme der Medizin und Homöopathie.

Besonders zu nennen sind hier die Spezialisten der Marmatherapie, eine spezielle Form der manuellen Therapie und Osteopathie. In speziellen Wellness-Camps sollen Weiterbildungsprogramme für Ärzte aus aller Welt entstehen. Therapien können selbst ausprobiert und gelernt werden. Ergänzt wird das Ganze mit Marketingstrategien, die den Wohlfühlcharakter für die Patienten in den Praxen steigern.

Am frühen Nachmittag traf ich weitere Ayurvedaärzte und Vertreter des AYUSH-Ministeriums in der deutschen Botschaft. Bei diesem Besuch wurde mir eine besondere persönliche Ehre zu Teil. Dr. Triguna zeichnete mich für meinen jahrelangen Einsatz für die Ayurvedamedizin mit dem NirogStreet-Preis aus.
NirogStreet ist Indiens größte Datenbank von kuratierten und zertifizierten Ayurveda-Praktizierenden und stellt auch für Ärzte eine Plattform dar, welche ausschließlich für Ayurveda-Praktiker ist, um mit Patienten in Kontakt zu treten und ihre digitale Reputation aufzubauen.

Mein letzter Termin für diesen Tag war ein Besuch bei der Kinderhilfsorganisation Plan International.
Plan International ist ein internationales Kinderhilfswerk und in über 70 Ländern, unabhängig von Religion und Politik, tätig. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert Plan International nachhaltige und kinderorientierte Selbsthilfeprojekte hauptsächlich über Patenschaften. An der Planung und Realisierung der Projekte sind die Gemeinden unmittelbar beteiligt. Die Organisation ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als private und unabhängige Organisation anerkannt und ist im Beratungsausschuss von Nichtregierungsorganisationen für UNICEF.

Die Arbeit der Organisation basiert auf der Unterstützung und Entwicklung ganzer Gemeinden.

Ein Besuch im “Digital Learning Centre” von Plan in Dwarka verschaffte mir neue Einblicke in das indische Schulwesen. Hier soll jungen Mädchen, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen, die Möglichkeit gegeben werden, eine Basisausbildung zu erlangen. Ziel ist es, zu lernen, um die Zukunft besser zu gestalten, frei nach dem Motto: Das Wissen ist die Macht der Zukunft. Im Rahmen einer Videokonferenz konnte ich mit 35 Klassen gleichzeitig kommunizieren. Die Klassengrößen schwanken zwischen 15-45 Schülern, die auf den Fußboden im Schneidersitz dem Unterricht folgen. Alle 35 Klassen begrüßten mich gleichzeitig mit einem großen “Hallo” und freuten sich sehr, einen deutschen Abgeordneten kennen zulernen. 

Ich sprach den jungen Frauen Mut zu und sagte ihnen, dass sie für ihre Unabhängigkeit und Freiheit viel lernen müssen. Dann werden Sie die zukünftigen Gestalter unserer Welt sein. Denn nur eins führt zum Ziel: Lernen!

 

Lesen Sie morgen von meinem Besuch in einer Eliteschule, wie mich ein Mädchen interviewte, dass einen gesamtindischen Wettbewerb in Wissenschaft gewann und wie ich eine Yoga-Einheit mit indischen Schülerinnen leitete.

Ihr,
Dr. Robby Schlund

“Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag2

Am zweiten Tag meines Arbeitsbesuches in Neu-Dehli traf ich mich in der deutschen Botschaft mit Dr. Volker Klinnert. Er ist einer der Regionalärzte der Bundesrepublik und hat seine Praxis in der deutschen Botschaft. Dr. Klinnert wuchs in Spanien auf, lebte auch längere Zeit in Deutschland, arbeitete später unter anderem in Saudi-Arabien, China und Nordkorea, wo er in der Hauptstadt Pjöngjang in den Räumen der früheren DDR-Botschaft praktizierte.
Dr. Klinnert ist für das Auswärtige Amt in Berlin bereits seit Ende 1992 im Dienst und aktuell als Regionalarzt mit seinem Team zuständig für die arbeitsmedizinische Betreuung des Personals an deutschen Botschaften und Generalkonsulaten in Neu-Dehli.

Dr. Robby Schlund mit Regionalarzt Dr. Volker Klinnert (li.) und seinem Team in der deutschen Botschaft.

Im Anschluss besuchte ich die Confederation of Indian Industry, kurz CII. Die CII ist Indiens größter Wirtschaftsverband. Ihm gehören rund 8.000 direkte Mitgliedsunternehmen und 200.000 Unternehmen aus 240 nationalen und regionalen Industrieverbänden an.
In einem interessanten Gespräch mit Dr. Shubnum Singh (Direktorin für medizinische Ausbildung, medizinische Forschung und Beraterin zum Gesundheitswesen bei Max Healthcare) wurde das indische Gesundheitssystem “Modicare” näher erläutert. Es handelt sich um riesiges Krankenversicherungsprogramm für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Für ca. 100 Millionen arme Familien sollen somit Gesundheitskosten in Höhe von je ca. 6.000 Euro übernommen werden.

Zum Mittagessen traf ich mich mit dem deutschen Botschafter Walter Lindner. Bereits im März traf ich ihn in Berlin, im Rahmen der feierlichen Übergabe des Amtes des Staatssekretärs an seine Nachfolgerin Antje Leendertse. Nun hatte ich Gelegenheit, mit ihm, in seiner neuen Funktion als Botschafter in Indien, sehr interessante Gespräche zum Thema Gesundheit zu führen.

Treffen mit dem deutschen Botschafter, Walter Lindner.

Am Nachmittag wurde dann die Deutsche Schule New Dehli (DSND) sowie das Goethe-Institut besucht. Die DSND ist eine anerkannte deutsche Auslands- und Botschaftsschule. Sie wurde ausgezeichnet mit dem Gütesiegel BLI – Exzellente Deutsche Auslandsschule und stellt sich verändernden gesellschaftlichen modernen Anforderungen. Transparenz und Partizipation stehen hierbei im Vordergrund.  An der DSND können die Haupt- und Realschulprüfung sowie die Deutsche Internationale Abiturprüfung (DIAP) abgelegt werden. Den Eltern in Indien ist es wichtig, dass ihre Kinder an dieser Schule eine Ausbildung absolvieren, um später als Fachkraft für deutsche Firmen oder sogar direkt in Deutschland tätig werden zu können. 

Schulleiter Procolino Antacido (li.) begrüßte mit seinem Kollegium Dr. Robby Schlund in der Deutschen Schule New Dehli (DSND).

Lesen Sie morgen von meinem Treffen mit AYUSH, der Vereinigung der Ayurvedaärzte in der Deutschen Botschaft
und meinen Besuch bei der NGO Plan und ihren Hilfsprojekten.

Ihr,
Dr. Robby Schlund”

Offizieller Arbeitsbesuch in Neu-Delhi – #Tag1

Auf Einladung von AYUSH (Ministerium für Ayurveda, Yoga und Naturheilkunde, Unani, Siddha und Homöopathie) und offizieller Anregung der indischen Botschafterin I.E. Frau Mukta Dutta Tomar sowie als Vertreter der deutsch-indischen Parlamentariergruppe, trat ich diese Reise an, um mehr über Prävention und traditionelle, uralte Heilverfahren, mit denen auch heute noch ein Großteil der indischen Bevölkerung versorgt wird, zu diskutieren und die Möglichkeiten zu erörtern, wie dies in unser modernes, westliches Gesundheitswesen integriert und damit in Einklang gebracht werden kann.

Am Sonntag bekam ich einen ersten Eindruck und besuchte ein neu entwickeltes Wohn- und Geschäftsareal in Noida, einem Vorort von Dehli. Die Luftqualität hat sich in den vergangenen 10 Jahren spürbar verbessert.

Noida, als Akronym abgeleitet von New Okhla Industrial Development Authority, (HindiनोएडाNoeḍā) ist eine Industriestadt in Nordindienmit etwa 640.000 Einwohnern (Volkszählung 2011).

Noida liegt im äußersten Westen des Bundesstaates Uttar Pradesh an der Grenze zu Haryana und ist eine südöstliche Vorstadt von Delhi

Eine weitere Station meines ersten Tages war die Ayurveda-Klinik in Greater Noida. Hier, bei Bliss Ayurveda, engagiert man sich für die Aufrechterhaltung der Gesundheit der Menschen und arbeitet an der Entwicklung eines Teams von engagierten Personen, einschließlich Vaidyas (Ayurveda-Ärzte), Angehörigen der Gesundheitsberufe, Vertriebshändlern usw., mit dem Ziel, das Ayurveda-Wissen in der ganzen Welt zu verbreiten.

„Die Gesundheit des Gesunden zu erhalten und den Kranken zu behandeln“, so heißt es in einer alten Definition des Ayurveda. Denn sie ist mehr als eine Heilkunde, es ist eine umfassende Gesundheitslehre. Über viele Jahrhunderte sind Erfahrungen ganzer ärztlicher Generationen gesammelt und zusammengetragen worden.

Im indischen Gesundheitswesen wurde im Jahr 1942 ein Dokument verabschiedet, was die Basis beschreibt, nämlich traditionelle indische Heilverfahren mit moderner Medizin in Einklang zu bringen.

Dr. Nitin Agrawal ist der Chef der Ayurveda-Klinik in Noida und führte mich durch die Räumlichkeiten, welche modern und traditionell zugleich eingerichtet sind.

Der Begriff Ayurveda stammt übrigens aus dem Sanskrit (ayur = Leben / veda = Wissen] und bedeutet soviel wie “Wissen vom Leben”. Ayurveda bezieht sich nicht nur auf die medizinische Ebene, sondern ist auch ein komplettes philosophisches Konstrukt, dass mit drei Grundelementen (Vata, Pitta, Kapha) die Welt fraktal beschreibt.

Klinik-Chef Dr. Nitin Agrawal (re.). Seine Frau Smita (li.) ist Officemanagerin in der Klinik.

In den kommenden Tagen werde ich verschiedenste Institutionen des indischen Gesundheitswesen besuchen und auf jemanden treffen, den ich vor kurzem erst in Berlin begegnet bin. Mehr dazu erfahren Sie in meinen Bericht zum 2. Tag in Indien.

Herzlichst,
Ihr Dr. Robby Schlund

“Geht’s noch? Sie prellen einen Großteil der Leistungsträger unserer Gesellschaft, um ihre Rücklagen.”

Der Abschluss einer Krankenversicherung ist in Deutschland seit 2009 Pflicht. Das ist auch gut so. Dabei sind 11 % der Menschen in unserem Land Mitglied der Privaten Krankenversicherung, der sogenannten PKV. Das sind ca. 9 Millionen Versicherte. Nicht mitgerechnet, die vielen ausländischen Studenten und Wissenschaftler. 9 Millionen Versicherte! Das sind Angestellte, Selbständige und Freie Berufe, wie Künstler, Ärzte, Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater, Hebamme, Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Journalisten,  Dolmetscher, um nur einige zu nennen. Dazu kommen  Polizisten, Lehrer und Angestellte in Behörden.

9 Millionen Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die neben ihrer Basistarifzahlung und Risikozuschlägen, außerdem eine Altersrückstellung bezahlen müssen. Diese muss durch einen zusätzlichen Sparbetrag von 10% sowie  Zinsrückstellung vom Versicherten geschultert werden. Ab 65 Jahren bleiben dadurch die Beiträge konstant, trotz logischerweise altersbedingtem erhöhtem Leistungsumfang. Bis 2009 konnten die Altersrückstellungen zu einer neuen Versicherung nicht mitgenommen werden. Das behinderte den Wettbewerb, zwischen den privaten Krankenversicherungen.

Ehrlich, was haben Sie sich bei diesem Antrag gedacht?

Seit 2009, allerdings, können Neukunden nun einen bestimmten Teil im Umfang des Basistarifs der Altersrückstellungen mitnehmen. Bei Altkunden gilt das im Allgemeinen nicht, die bis heute ein und derselben Versicherung angehören. Sie können die Altersrückstellungen nicht mitnehmen. Das ist eine soziale Ungerechtigkeit, die wir mit unserem Antrag, zugunsten der Versicherten beseitigen wollen.

Doch nun zu Ihrem Antrag liebe Kollegen von den Linken. Er  hat mich, und wahrscheinlich auch einen Großteil der Versicherten, wie Lehrer, Polizist und Freiberufler, absolut fassungslos gemacht. Ehrlich, was haben Sie sich bei diesem Antrag gedacht? Auch einigen Abgeordneten hier, dürfte es die Sprache verschlagen haben: Ich zitiere: „Alterungsrückstellungen sind in den Bilanzen der PKV aufzulösen“ und  „Ausgleichszahlungen an den Gesundheitsfond leisten“ Geht’s noch? Wir reden hier von einer Rücklage von knapp 250 Milliarden Euro! 

Sie prellen einen Großteil der Leistungsträger unserer Gesellschaft, um ihre Rücklagen. Das ist soziale Enteignung und Ungerechtigkeit. Wollen Sie unsere Lehrer, Polizisten, Ärzte und Künstler in die sichere Altersarmut, schicken? Schämen Sie sich! Karl- Marx würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er ihren Antrag hören würde! Wozu dient denn die Altersrückstellung, liebe Kolleginnen und Kollegen?

Ich werde Ihnen die Frage beantworten: Zur Deckung späterer Kosten im Tarif. Und wer hat sie angespart? Ganz allein die Versicherten. Diesen stehen die Rückstellungen auch zu! Deshalb heißen sie nämlich so. Nicht einem ominösen Kollektiv, was auch immer Sie damit meinen!

Wir verlangen einen Gesetzentwurf durch die Bundesregierung, mit dem sichergestellt wird, dass alle Versicherten in der PKV, beim Anbieterwechsel, ihre Altersrückstellungen mitnehmen können. Außerdem fordern wir zeitgemäße Neustrukturierung von EBM und GOÄ.

Wenn Hacker das staatliche Gesundheitssystem steuern.

Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen haben oft nur schlecht gesicherte Netzwerke. Darum ist es für Hacker nicht besonders schwer, so einen Computerviren einzuschleusen.

Wie nun die BBC berichtet, sei es israelischen Forschern gelungen, einen Computervirus zu entwickeln, welcher medizinische Aufnahmen verfälscht. So ließen sich MRT- und CT-Bilder mit  einer Malware so manipulieren, dass sie angeblich echte Tumoren zeigen. Selbst Radiologen würden die Unterschiede nicht erkennen.

Und das soll noch nicht alles sein. Den Forschern zufolge kann die Malware nämlich auch in die andere Richtung arbeiten und Tumoren verschwinden lassen.

Das ist problematisch, da Patienten so möglicherweise nicht rechtzeitig behandelt werden. In den Labortests wurde die Malware bei Lungenbildern eingesetzt. Auch andere Bilder könnten manipuliert werden und so etwa Hirntumoren, Frakturen oder Wirbelsäulenverletzungen vorgetäuscht oder verborgen werden. In einem Labortest konnten so drei Radiologen davon überzeugt werden, dass die Patienten an Krebs leiden. Auch automatisierte Erkennungssysteme ließen sich von den manipulierten Bildern täuschen.

Video des Forschungs-Teams von der Ben-Gurion Universität

Mit ihrer Arbeit wolle die Forschergruppe zeigen, wie leicht medizinische Computerbilder manipuliert werden können, da diese Bilder in den meisten Fällen nicht digital signiert oder verschlüsselt sind. Manipulierte MRT- oder CT-Bilder seien daher kaum als Fälschung zu erkennen.

Sollte diese Schadsoftware zum ernsthaften Einsatz kommen, wäre es wenig verwunderlich, wenn die Anzahl der Krebserkrankungen weltweit steigen würde. Eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen wäre damit vorprogrammiert.

Masernfälle nehmen weltweit zu – Koalition prüft bundesweite Impfpflicht

Bereits im August 2018 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darüber informiert, dass in der Europäischen Region der WHO eine drastische Zunahme von Masernerkrankungen zu verzeichnen ist. Sieben Länder, darunter Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, russische Föderation, Serbien und Ukraine, gaben in 2018 mehr als 1000 Infektionsfälle bei Kindern und Erwachsenen an. In Deutschland waren im Jahr 2018 laut dem Robert-Koch-Institut 543 Masernfälle gemeldet worden, im Vorjahr allerdings 929 Fälle. Am stärksten betroffen war aber die Ukraine, mit 23.000 Fällen. Das entspricht mehr als der Hälfte der gemeldeten Masernerkrankungen und eine weitere Zunahme ist nicht auszuschließen.

Gründe für diese rasche Verbreitung der hochansteckenden Krankheit sind laut WHO zum einen die unzureichende Qualität der Krankheitsüberwachung und zum anderen der niedrige Impfschutz in einigen Ländern.

Die Impfung gegen diese Viruserkrankung erfolgt bereits im Kleinkindalter. Die erste Teilimpfung findet regulär zwischen dem 11. Und 14. Lebensmonat, die zweite Teilimpfung nach 4 Wochen statt. Erst dann ist der Impfschutz vollständig und eine Ansteckung ausgeschlossen. Impfreaktionen und Nebenwirkungen sind eher selten.

Um eine Weiterverbreitung der Krankheit zu verhindern, muss eine Impfquote von 95% der Bevölkerung erreicht sein. Anlässlich der Europäischen Impfwoche hat das RKI die neuen Impfquoten der Schulanfänger im Epidemiologischen Bulletin 16/2018 veröffentlicht. Im Jahr 2016 haben somit erstmals alle Bundesländer bei der ersten Masernimpfung die Impfquote von 95 Prozent erreicht. Bei der aber entscheidenden zweiten Masernimpfung liegt die bundesweite Impfquote nur bei 92,9 Prozent.

Um einen erneuten Ausbruch der Masernerkrankung zu verhindern, spricht sich die Mehrheit der Ärzte der Alternativen für Deutschland für eine Pflicht zur Einfachimpfung aus. Mehrfachimpfungen sollten hingegen freiwillig bleiben. Krankheiten oder sogar der Tod durch die nicht geimpfte Krankheit selber sind weitaus größer, als ein vielleicht einsetzender Impfschaden. Durch Einhaltung der Qualitätsrichtlinien und Betreiben eines Qualitätsmanagementsystems in Arztpraxen sollten Impfschäden sehr gering vorkommen, auch aufgrund der ausgezeichneten Qualität moderner Vakzine. Bei dennoch, extrem selten, auftretenden Impfschäden sind die Hersteller des Medikamentes entsprechend zur Schadensregulierung und Kostenübernahme verpflichtet. Die Politik muss verantwortungsbewusst mit der Gesundheit unserer Kinder umgehen und eine entsprechende Impfpflicht kostenfrei zur Verfügung stellen.

Amtsübergabe – Staatssekretär Walter Lindner wird Botschafter in Indien.

Am heutigen Freitag, den 22. März 2019, war Dr. Robby Schlund zu Gast bei der feierlichen Übergabe des Amtes des Staatssekretärs von Walter Lindner an seine Nachfolgerin Antje Leendertse.
Außenminister Heiko Maas eröffnete im Beisein vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Auswärtigen Amts, sowie weiteren geladene Gästen, die Veranstaltung.

Ein erstes Treffen von Walter Lindner in seiner neuen Funktion als Botschafter und Dr. Robby Schlund könnte schon bald zu Stande kommen, da Dr. Schlund noch für dieses Frühjahr eine Reise nach Indien plant, um sich ein genaueres Bild über das dortige Politik- und Gesundheitssystem zu machen und Hilfsorganisationen, welche sich für Frauen und Mädchen in Indien einsetzen, zu besuchen.