Gescheiterte Honorarverhandlungen – Nullrunde für niedergelassenen Ärzte

Am 12.08.2020 kam es zu den alljährlichen Honorarverhandlungen zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Das Ergebnis ist für alle niedergelassenen Kollegen erschütternd – die Krankenkassen blocken alles ab und bevorzugen eine Nullrunde.

Zum Verständnis: Die Verhandlungsrunde beschäftigte sich mit der Weiterentwicklung des Orientierungswerts. Dieser Wert beträgt aktuell 10,9871 Cent und bestimmt maßgeblich die Preise der ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen.

Eine Anpassung von drei Prozent forderte die KBV, denn durch die Corona-Krise, die Umsetzung der Digitalisierung und steigende Nebenkosten wurden Fakten aufgezeigt, welche diese Erhöhung rechtfertigen. Auch darf man nicht vergessen, dass die niedergelassenen Kollegen während der Pandemiezeit hervorragende Arbeit geleistet haben, denn sechs von sieben Patienten mit Covid-19-Erkrankung wurden von ihnen behandelt, und das trotz verspätet erhaltenen Schutzausrüstungen. Hier muss man ganz klar feststellen, dass somit den gesetzlichen Krankenkassen viele Gelder für aufwendige stationäre Behandlungen erspart blieben und die vielen Arztpraxen in der Krisenzeit unser Gesundheitswesen aufrechterhielten. Doch darauf ließen sich die Krankenkassen nicht ein und behaarten auf ihre Nullrunde.

Der Fall wurde nun dem Erweiterten Bewertungsausschuss als Schiedsstelle übergeben, um hier eine Entscheidung bis Mitte September zu treffen. Hier sitzen zusätzlich zu den Kassen- und KBV-Vertretern, die je drei Mitglieder entsenden, auch drei unparteiische Mitglieder.

Gerade die Kollegen im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin verdienen aktuell deutlich weniger als die Kollegen der meisten anderen Fachrichtungen. Sollte der Erweiterte Bewertungsausschuss nun dieser Nullrunde zustimmen, wären die wirtschaftliche Existenz vieler Praxen und somit auch die zukünftige Versorgung der Patienten ernsthaft gefährdet.