„Wir stehen ständig unter psychischen und physischen Stress" – Die Situation in der Kurzzeitpflege

So kurz vor Weihnachten, möchte ich es nicht versäumen, den ca. 2,6 Millionen Mitmenschen in Deutschland zu danken, die täglich, zum Teil bis zur Selbstaufopferung, ihre Angehörigen pflegen. Selbst in der stillen und heiligen Zeit, ist oft keine Minute für sich selbst, um einfach mal, ganz kurz, loslassen zu können.

Respekt, was Sie für Ihre Familie, ihre Nächsten und vor allem für unsere Gesellschaft mit Selbstaufopferung tun. Und wenn Sie zu Hause pflegen, dann kennen Sie bestimmt die Situation, vorübergehend Angehörige nicht zuhause versorgen können. Dafür gibt es die Möglichkeit der Kurzpflege. Diese tritt ein, wenn eine pflegebedürftige Person für eine begrenzte Zeit einer vollstationären Pflege bedarf, z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt. Genau dafür brauchen unsere pflegenden Söhne und Töchter, durch die Kurzzeitpflege eine Unterstützung. 

Doch die dafür vorgesehenen Kurzzeitplätze sind teilweise nicht verfügbar und sanken in den letzten Jahren, um mehr als 30 %, trotz steigender Nachfrage. Das Problem liegt wie so oft in der ausufernden Profitorientierung und Deckelung der Kosten auf niedrigstem Niveau. Die tägliche Erstattungs-Pauschale für die Kurzzeitpflege liegt bei sage und schreibe 20,15 € und damit bei einem Stundensatz von 84 Cent pro 24 h. Dies ist ein Schlag ins Gesicht für die Menschen in unserem Land, die jeden Tag pflegen müssen. Die Erhöhung der Kurzzeitpflegeplätze, wie Sie es wollen, ist ein klassischer Rohrkrepierer, da er zum finanziellen Desaster für die Kommunen wird. Dabei wissen sie genau, dass ungefähr jede fünfte Kommune unter Kommunalaufsicht und Haushaltssicherungskonzept arbeitet. 

Eine weitere milliardenschweren Belastung ist durch die Kommunen nicht mehr zu stemmen. Nehmen sie doch das Geld aus Ihren ideologischen Prestigeobjekten und geben sie es den Menschen, die für einen Hungerlohn von 84 Cent, wichtige gesellschaftliche Aufgaben meistern. Dann lösen Sie auch das Problem.

In einem persönlichen Gespräch sagte eine Pflegefachkraft in der Kurzzeitpflege zu mir: „Wir stehen ständig unter psychischen und physischen Stress: durch Zeitmangel und viele nichtpflegerischen Tätigkeiten. Oft kommen 25 Pflegende auf einen Pfleger. Die Menschen die krank sind, sind Menschen zweiter Klasse, das Personal wird überall ausgebeutet und ist verbrannt!”

aerzteblatt.de: Koalitionsfraktionen wollen Verbesserungen in der Kurzzeitpflege

Da könnte man ja fast meinen, der FDP-Antrag wäre der glückverheißende weihnachtliche Segen mit Lösungsanspruch. Aber haben Sie mal darüber nachgedacht, dass eine Erhöhung der Kurzzeitpflegeplätze, bei der aktuellen Pflege-Personalmangelsituation in unseren Krankenhäusern,  Kurzzeitpflegebetten praktisch absolut unmöglich machen? Wissen Sie was dann passiert?

Ein weiterer Teil von Stationen müssen auf Grund der prekären Pflegesituation geschlossen und kranke Menschen abgewiesen werden. Nun möchte ich Ihnen als Arzt gern noch etwas für das neue Jahr mitgeben. Denken sie bitte immer daran, was Gertrud von Le Fort einmal gesagt hat: „Kein noch so genialer Arzt kann seine Patienten heilen, wenn die treue Pflegerin fehlt.“

Nach 74 Sitzungen im Gesundheitsausschuss, ich glaube wir sind Spitzenreiter unter den Workaholics im Bundestag, wünschen ich Allen und besonders den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses ein schönes Weihnachtsfest und sammeln Sie Kraft für eine qualitativ hochwertige und gute Debatte im Gesundheitsausschuss.